Christian Ulmen
GEBURTSTAG:
22.09.1975 in Neuwied am Rhein
LEBT IN:
Deutschland
22.09.1975 in Neuwied am Rhein
LEBT IN:
Deutschland
Kurzinfo
Die stets ein wenig niedergeschlagenen Augenlider verdecken den Spott, mit dem er die Welt sieht, und die phlegmatischen Bewegungen, die plötzlich in hektisches Armkreisen verfallen, betonen die Ruhe vor dem Sturm, mit dem er Gäste und Gegner überfällt.Christian Ulmen wurde als lakonischer Querkopf, "Gernegroß und Gerneschlau" (Ulmen) deutsche Ikone des Musiksenders MTV und bewies im Kino sein Talent als Komiker ...
weiter »
GEBURTSDATUM: 22.09.1975 | GEBURTSORT: DEUTSCHLAND
Die stets ein wenig niedergeschlagenen Augenlider verdecken den Spott, mit dem er die Welt sieht, und die phlegmatischen Bewegungen, die plötzlich in hektisches Armkreisen verfallen, betonen die Ruhe vor dem Sturm, mit dem er Gäste und Gegner überfällt.Christian Ulmen wurde als lakonischer Querkopf, "Gernegroß und Gerneschlau" (Ulmen) deutsche Ikone des Musiksenders MTV und bewies im Kino sein Talent als Komiker mit Hinterlist.Sein Thekenkönig und schrulliger Kreuzberger Frank, den alle "Herr Lehmann" nennen und der sich auf dem Trottoir mit einem Hund um einen Flachmann streitet, ist in Leander Haußmanns Verfilmung von Sven Regeners Kultroman eine kongeniale Umsetzung des heiligen Trinkers und bescherte Ulmen 2004 den Bayerischen Filmpreis als Bester Darsteller.
Ulmen wurde 1975 in Neuwied geboren, wuchs in Hamburg auf und verfasste von 1988 bis1994 Beiträge für die dortigen Lokalsender, was ihm 1992 den Junior-Reporter-Preis einbrachte. 1994/95 für die RTL-Kindersendung "Disney & Co" tätig, wurde Ulmen seit 1996 bei MTV erst Geheimtipp, dann Kult: Sein Special "Unter Ulmen" (2000-2003) fiel durch unkonventionelle Interviews, Beiträge mit versteckter Kamera, witzige Rollenspiele und Respektlosigkeit gegenüber Stars auf, deren Fotos er locker vom Tisch fegte, nachdem er ihnen wochenlang gehuldigt hatte.
Der Spaß an Verkleidungen und Streichen im Reality-Format führte zur nach acht Episoden abgesetzten Pro7-Reihe "Mein neuer Freund", die nach Zuschauerprotesten von MTV übernommen wurde. Zwei Jahre lang verfasste Ulmen für das Magazin "Die Zeit" Kolumnen als Medienkritiker mit Alltagspoesie in der Feder.
Den ersten schauspielerischen Versuchen als arroganter Musikjournalist in "Verschwende deine Jugend" folgte mit der Verfilmung von Sven Regeners "Herr Lehmann" der Durchbruch. Mit lakonisch liebenswerter Loser-Attitüde, die das Leben mit gedrosseltem Tempo angeht, war Ulmen in Doris Dörries "Der Fischer und seine Frau" Gegenpart zur hektischen Ehe- und Karrierefrau (Alexandra Maria Lara). Im Fußballfilm "FC Venus" spielte Ulmen an der Seite von Nora Tschirner, ehemalige MTV-Kollegin. Einen ersten wirklich bemerkenswerten Auftritt in einem Fernsehfilm hatte er 2005 in der Kriminalreihe "Rosa Roth". An der Seite von Iris Berben spielte er in der Folge "Flucht nach vorn" einen Dorfpolizisten mit düsterem Geheimnis. 2006 übernahm er die Titelrolle in der Comedy-Version des Märchens vom "Hans im Glück".
Richtig ernst genommen als Kino-Darsteller wurde Ulmen spätestens seit seinem Auftritt als verstörter Genetiker in der Bestsellerverfilmung "Elementarteilchen" nach Michal Houellebecq. Mit "Maria, ihm schmeckt's nicht", "Männerherzen 1 & 2" und "Jerry Cotton" feierte er Erfolge im Komödienfach und etablierte sich mehr und mehr als Mainstream-Komödiant, erhielt sogar einen Gastauftritt in "Wickie 2".
Daneben findet Ulmen aber auch immer wieder Zeit für kleinere Projekte wie "Einer wie Bruno", "Vater Morgana" oder "Hochzeitspolka" sowie aktuell sein Regiedebüt "Jonas", in dem er als 18-jähriger Sitzenbleiber wieder die Schulbank drückt - Parallelen zur Feuerzangenbowle sind durchaus beabsichtigt, allerdings hat das Mockumentary-Format einen deutlich anderen Ansatz, der an Ulmens Auftritte in "Mein neuer Freund" erinnert.
2008 gewann Christian Ulmen als peinlicher aber effektiver Polizeipsychologe "Dr. Psycho" den Grimme-Preis. Ulmen lebt in Berlin.
GEBURTSDATUM: 22.09.1975 | GEBURTSORT: DEUTSCHLAND
In "Maria ihm schmeckts nicht" heiratet Christian Ulmen auf italienisch. Der Comedian über Stierhoden, Fußball, fiese Schwiegerväter und Fremdschämen.
Deutscher Normalo heiratet heißblütige Halbitalienerin: In "Maria ihm schmeckts nicht" sind Kulturkonflikte vorprogrammiert - und sorgen für großen Kinospaß! Hauptdarsteller Christian Ulmen erlebte den Kampf zwischen Dolce Vita und deutscher Gründlichkeit auch am Set. Zum Interview erscheint er lässig in Jeans und aufgeknöpftem Hemd, raucht eine Zigarette und redet hoch inspiriert ohne Punkt und Komma.» Mussten Sie beim Dreh in Italien auch seltsame Spezialitäten essen so wie im Film den Tintenfisch?
CHRISTIAN ULMEN: Dieses Klischee aus "Maria, ihm schmeckt's nicht!" trifft auch in der Realität voll zu. Aber ich hab meistens geschwänzt. Lino Banfi hat uns jeden abend nach dem Dreh zum Essen eingeladen - auch wenn wir bis 22 Uhr gedreht hatten und es morgens um sieben weiterging - es MUSSTE einfach nochmal gegessen werden. Das hab ich die ersten zwei Mal gemacht. Und da ist es tatsächlich nicht mit einem Teller getan, da kommen dann noch acht weitere Gänge und auch Seeigel oder Hoden von Stieren und so Zeug. Absurde und kulinarisch hoch interessante Einblicke in die italienische Küche. Aber das jeden Abend, das war wirlich hart. Wir haben in Gravina gedreht, das ist ein winziges Dorf. Und trotzdem sehen die italienischen Restaurants dort total stylisch aus und sind exquisit ausgestattet, nicht wie typische Touri-Italiener, sondern wie die Nobel-Italiener in Berlin Mitte. Das heißt die lieben das Essen und zelebrieren es - mit allem, was dazugehört. Und wenn das beste Restaurant aufgemacht hat, ist das das Gesprächsthema Nummer eins in so einem Ort. Es geht nur ums Essen, permanent!
» Haben sich denn noch andere Klischees aus dem Film auch in der Zusammenarbeit am Set mit den italienischen Schauspielern und dem Drehteam gezeigt?
Unser Ausstatter war ein Deutscher und er hat mal Grissini in Gläsern auf die Restauranttische gestellt. Doch da haben alle Italiener gesagt, dass es das so nirgendswo gibt, die würden anders serviert. Solche Sachen gab's öfter, wir kamen da mit einem deutschen Drehbuch an und dann hieß es "Hey, ganz so ist es hier aber nicht!" und darauf sind wir dann auch eingegangen. Aber im Prinzip fanden die Italiener viele Klischees schon bestätigt und konnten den Film nachvollziehen. Das liegt aber auch daran, dass die Italiener ihre Klischees mit Würde und Stolz vor sich hertragen. Sie finden das Bild ganz toll, das wir von ihnen haben, diese dolce vita und den ganzen Kram, das finden die ja super und sehen da keinen Grund, sich zu beschweren.
» Wurden Sie dann auch als typisch deutsch wahrgenommen?
Ja sicher, ich spreche ja auch kein Wort italienisch und hab auch gar nicht versucht es zu lernen, weil meine Figur ja auch kein italienisch spricht. Ich hab mir sogar immer die Ohren zugehalten, wenn ich in Gefahr geriet mir italienische Vokabeln zu merken, damit ich Method-Acting-artig meiner Figur treu blieb. Und ich hab abends dann diese Essen geschwänzt, weil ich für den Film abnehmen musste und nicht zunehmen durfte und dieses Pasta ist ja Wahnsinn. Ich bin dann abends ins Hotel und hab' gesagt "No, no, ich muss schlafen!". Na klar werden die gedacht haben "Eieiei, die sind ja wirklich so, die Deutschen!" Auch eine Dispo - das ist ein Ablaufplan von der Produktion, was wir am nächsten Tag drehen, um wieviel Uhr wir anfangen - sowas kannten die gar nicht. Die sagen "Treffen wir uns morgen um zehn und dann gucken wir mal und drehen halt das, was im Drehbuch steht."
» Haben Sie das Buch vorher gelesen?
Ich hab' das Hörbuch gehört.
» Und haben Sie sich gleich gedacht "Das bin ich!"?
Nein. Obwohl - irgendwie denkt das ja jeder. Das ist ja immer das Geheimnis eines guten Buches, dass sich jeder mit der Hauptfigur identifiziert. Insofern hab' ich das auch gedacht. Aber nicht in Hinblick auf "Den will ich mal spielen!".
» Sie sind selbst mit einer Halbitalienerin verheiratet. Wie haben Sie sich kennengelernt?
Meine Frau ist in Deutschland groß geworden und man sieht ihr noch an, dass da italienische Gene unterwegs sind, aber sie ist jetzt in dem Sinn keine Italienerin. Daher war das bei uns alles relativ normal.
» War die erste Begegnung mit Ihrem Schwiegervater auch so katastrophal wie im Film?
Der Schwiegervater ist bei ihr nicht der italienische Part, der war Deutscher. Aber unabhängig davon, welche Nation der Vater der Freundin hat: Das ist immer schwierig! Das ist immer verbunden mit Schwitzen, Angst und Nervosität. Und diese Schwiegerväter wissen das auch, das kennen die ja aus ihrer eigenen Jugend und haben total Spaß daran, das auszunutzen und Sachen zu sagen wie "Hier, schneid' doch mal die Zigarre an!", obwohl man das noch nie gemacht hat und man dann vor geladenen Geburtstagsgästen 'ne Zigarre anschneidet, die dann total zerbröselt und man ist der Depp. Ich werd's später auch so machen, wenn ich mal 'ne Tochter habe und die'n Typen mitbringt. Dann werd ich da alles das zurückgeben, was ich erfahren habe, um das zu kompensieren.
» Im Film merkt man deutlich, dass es vor allem die Angst vor dem Fremden ist, die seltsames Verhalten produziert. Das ist doch in unserer Zeit auch ein ernster, fast politischer Hintergrund, wo viele Menschen Angst vor dem Unbekannten haben...
Ich glaube, es ist gar nicht die pure Angst vor dem Fremden, sondern die Angst sich dem Fremden gegenüber falsch zu verhalten. Denn man will ja eigentlich immer einen guten Eindruck machen. Es ist die Angst, vor dem Fremden dazustehen wie ein Idiot. Es ist die Angst, in ein falsches Licht gesetzt zu werden oder die Angst davor, nicht anzukommen, die Angst davor, schlicht und ergreifend nicht geliebt zu werden. Der Jan will ja eigentlich gemocht werden, er will ja alles richtig machen, er isst ja sogar, obwohl er gar nicht essen will oder nicht essen kann, wegen seiner Allergie. Aber man sieht ihm an, dass das Arbeit und Stress ist und darum denken die anderen, er will nichts mit ihnen zu tun haben.
» Die Buchfortsetzung "Antonio im Wunderland" spielt in New York. So ein Dreh in den USA wäre doch mal nett...
Absolut, aber ich weiß gar nicht, ob das ansteht. Sowas hängt ja auch immer davon ab, wie erfolgreich der erste Film ist.
» Könnte doch ein schönes Sprungbrett nach Hollywood werden...
Für Jan Weiler (Autor der Romanvorlage; Anm.d.Red.)? Oder für Lino Banfi? Nein, in den USA drehen ja so viele, ich glaube kaum, dass da einer sagt "Oh, da kommt ein Filmteam aus Deutschland, na da schaun wir aber mal genau, was da so geht!". Aber ich fände den Film eine gute Idee, mal gucken, was passiert.
» Sie starten ohnehin gerade richtig durch mit "Männerherzen" neben Til Schweiger und dann "Jerry Cotton" - wenn da der Anruf aus Hollywood käme...
Weil Sie "Jerry Cotton" erwähnen: Meine Figur schlüpft in dem Film in verschiedene Rollen, unter anderem spielt er einen japanischen Alleinunterhalter und dafür musste ich Tanztraining nehmen, beim Tanztainer von Mónica Cruz, die auch mitspielt. Und der fragte auch "Na, Hollywood und so?". Und ich antwortete ihm: "Daran denke ich nicht, das ist Quatsch, ich mache jetzt hier mein Ding und freu mich, wenn das hier läuft." Dann hat er mich aber total dafür geohrfeigt und meinte "Das ist auch wieder so 'ne typisch deutsche Haltung: Nie nach den Sternen greifen, immer vernünftig das im Hier und Jetzt ok finden, damit abfinden, und sagen 'Ist doch schön, so wie's jetzt ist' und nie weiter nach oben. Das ist typisch Deutsch!" Aber ich sage, dann ist das eben typisch deutsch, das ist mir dann auch wurscht! Man ist ja hier sozialisiert. Und ich finde, dass ich in dem was ich mache, schon auch manchmal nach den Sternen greife. Ich habe vor Kurzem meinen Internet-Fernsehsender Ulmen.tv gegründet, das ist ja auch ein Experiment, das scheitern kann. Aber ich verschwende nicht einen einzigen Gedanken daran, in Hollywood zu arbeiten. Das ist wirklich absurd und in meiner Planung nicht vorgesehen.
» Wenn Sie vielleicht nicht nach den Sternen greifen, sind Sie aber zumindest ein Glückskind - denn Sie waren ja oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Ja, klar hab' ich viel Glück gehabt. Auf der anderen Seite habe ich - um das mit Liebling Kreuzberg zu sagen - dem Glück auch 'ne Chance gegeben. Also wenn ich nicht mit zwölf aus Lust dauernd im offenen Kanal Fernseh- und Radiosendungen gemacht hätte, hätte mich auch nicht dann mit 18 ein Talentscout von MTV zufällig da gesehen. Aber ja, es ist eine Aneinanderreihung von sehr vielen glücklichen Umständen.
» Können Sie über sich selbst lachen?
Im Sinne von, wenn mir was passiert, ein Missgeschick? Klar, davon zehre ich, das inspiriert mich, die eigenen peinlichen Momente. Gerade die Sachen auf Ulmen.tv und bei "Mein neuer Freund" leben davon. Da ist es hilfreich, wenn man selber in peinliche Situationen gerät und sich dann nicht zu sehr schämt, sondern das hinterher aufschreibt.
SEITE 2: Ulmen über deutsche Sinnlichkeit, knieschonende Schuhe, Stefan Raab und die Oscars...
» Was war zum Beispiel ihr peinlichstes Date?
Jedes Date ist peinlich!
» Ein zentrales Klischee im Film ist auch die große Sinnlichkeit der Italiener. Gibt's denn überhaupt eine deutsche Sinnlichkeit, was empfinden Sie hierzulande als besonders sinnlich?
Puh, das ist wirklich eine gute Frage... Das ist komisch, da fällt einem so schnell gar nichts ein, weil man immer das Gefühl hat "deutsch und sinnlich - so ein Blödsinn!". Vielleicht Volksmusik: Carolin Reiber würde sagen, ja natürlich wenn wir da gemeinsam Schunkeln und einen lustigen Liederabend feiern, dann ist das doch ein sinnliches Erlebnis. Techno-Fans würden sagen die Loveparade, aber das ist auch nicht mein Ding. Obwohl das vermutlich sogar stimmt, für die, die's mögen.
» Und für sie ganz persönlich? Was ist ein sinnlicher Moment?
Wie, wenn ich jetzt durch die Stadt laufe, oder wann?
» Keine Ahnung... Ich habe, als ich mir die Frage überlegt hatte, spontan an Fußball gedacht.
Ja, das stimmt natürlich total! Aber das ist ja nichts typisch Deutsches...
» Also bitte!
Ok, natürlich ist das auch was Deutsches, aber es ist ja nichts, was uns hervorhebt, wir sind ja nicht die einzigen, die Fußball als sinnliches Ereignis wahrnehmen. Das ist doch international. Außer den Amerikanern lieben das doch alle...
» Macht doch nichts, muss ja keine exklusive deutsche Sinnlichkeit sein...
Dann stimmt's auf jeden Fall, auch wenn ich erst relativ spät zum Fußball gekommen bin, weil ich mehr so in 'ner Hockey- und Tennisclubgegend aufgewachsen bin. Als mein Leben immer unstetiger wurde, weil man hier dreht und dahin reist, und nie weiß, was man morgen macht, sehnte ich mich nach irgendwas, was immer wiederkehrt, wo man mal jede Woche dasselbe macht. Andere gehen dann in die Kirche, um zumindest jeden Sonntag den Gottesdienst zu haben um sich an einem Ritual festzuhalten. Bei mir war's dann irgendwann tatsächlich Fußball. Das kommt einmal die Woche und es ist ritualisiert und dadurch tatsächlich auch ein sinnliches Erlebnis, das stimmt.
» Apropos Kirche, sie waren ja mal für ein Theologie-Studium eingeschrieben. Was das nur pro forma oder echtes Interesse?
Nein, das war rein pro forma, nur um meine Eltern zu beruhigen, damit die mich in Ruhe lassen. Nach dem Abitur wollte ich einfach weiter im offenen Kanal Sendungen machen und hoffte, dass mich irgendwann ein amerikanischer Talent-Scout von MTV entdeckt. Das haben meine Eltern aber als sehr, sehr leichtfüßige Lebensplanung aufgefasst und gesagt, ich soll jetzt dringend was machen. Die haben mich sogar gezwungen, in einem Schuhladen zu arbeiten, damit ich nach dem Abitur nicht nichts mache. Ich sollte wenigstens Geld verdienen. Da hatte ich keine Lust drauf und hab gesagt, "Dann studiere ich lieber", denn es war furchtbar im Schuhladen zu arbeiten, unfassbar. Von morgens halb neun bis abends halb sieben da rumstehen zwischen Schuhen, Schuhe sortieren, unfassbar! Die haben mich teilweise sogar Leute beraten lassen, mich als Aushilfskraft! Das war bei Karstadt Spiel & Sport. Wenn der Chef der Abteilung da mal kurz in die Mittagspause ging, musste ich ran. Da kamen dann Frauen an und sagten "Ich hab große Probleme mit meinem Knie und brauche dringend einen schonenden Schuh!". Und ich sagte halt "Ja, dann nehmen sie doch diesen hier!" und halt ihr einfach einen hin, von dem ich dachte, der müsste doch eigentlich ganz schonend sein. Und hinterher dachte ich mir "Wahnsinn, jetzt hab ich der Frau gerade Schuhe für ihr Knie verkauft, und hab gar keine Ahnung, ob der ihr wirklich hilft.". Das war absurd! Also dachte ich mir, ich schreib mich lieber an der Uni ein, da hat man's dann nicht so schwer. Und Theologie hatte halt keinen Numerus clausus und man kam schnell rein. Ich redete mir natürlich ein, dass mich das auch irgendwie interessiert, weil da Psychologie drin ist und man Griechisch lernt und so'n Quatsch.
» Viele Menschen halten sich an Kirche und Religion fest. Brauchen Sie so eine Orientierung?
Nein, wirklich überhaupt nicht! Wie gesagt, Fußball ist ein Ritual für mich, das kommt immer wieder, jede Woche weiß man, "Ah, es ist Samstag, jetzt kommt die Sportschau!". Aber das ist nicht wirklich zum dran Festhalten. Ich beneide ja Menschen, die glauben. Ich hab's auch oft versucht, aber ich kann's leider nicht. Obwohl es die dümmere Wahl ist, denn es gibt ja für die Nichtexistenz Gottes genausowenig Beweise wie für seine Existenz. Von daher ist es eigentlich schlauer zu sagen "Wenn wir eh nix wissen, glaube ich einfach!". Aber dafür bin ich wohl zu dumm...
» Angeblich haben Sie einige Ängste und Neurosen, zum Beispiel starkes Lampenfieber...
Das einzige, was ich wirklich gar nicht vertragen kann, sind so Preisverleihungen, vor allem wenn man selber beteiligt ist. Eigentlich ist das Ganze ja ehrenwert. Und das klingt jetzt furchtbar kokett und undankbar: Aber wenn man unter Umständen einen Preis in Empfang nehmen könnte auf einer Bühne - das macht mich fertig! Wenn die Nominierten aufgelistet werden und ich höre meinen Namen, sage ich mir "Bitte nicht meinen Namen, ich möchte nicht auf die Bühne, nicht meinen Namen, lass diesen Kelch an mir vorübergehen!" obwohl man sich hinterher ärgert und sich denkt "Schade, ich hätte den Preis ja doch gerne gewonnen!", aber in dem Moment will ich da einfach nicht hin. Weil ich schon als Kind Preisverleihungen immer wahnsinnig peinlich fand. Selbst wenn ein Schauspieler souverän den Preis entgegengenommen hat und sich bedankt hat - ich fand diesen Moment des Dastehens und Sich Bedankens schlimm, ich hab mich immer geschämt, hab ins Kopfkissen gebissen und konnt's einfach nicht sehen. Ich habs natürlich trotzdem immer gerne angeguckt, weil ich mich gerne fremdschäme, aber dann plötzlich selber da oben zu stehen und zu sagen, ich danke - oh Gott, das ist furchtbar! Deswegen hab ich da dann wirklich richtig Lampenfieber. Das ist teilweise so schlimm, dass ich die Namen von Schauspielerkollgen, bei denen ich mich bedanken will, durcheinandergebracht hab. Ganz schlimm! Da schäm ich mich dann für mich selber extrem.
» Wenn Sie Fremdschämen bei Preisverleihungen mögen, dann muss doch Oscars gucken großen Spaß machen...
Ja, absolut! Ich guck das und denk mir dann "Ah, nein!!!" und winde mich innerlich.
» Was war denn der schlimmste Moment?
Das war nicht bei den Oscars, das war bei den Bambis, aber das kann ich nicht erzählen, weil das ne Kollegin war und die würde man sofort erkennen, wenn ich das beschreibe... Aber das gab's einen Moment, der war wirklich unfassbar. Ich kann's echt nicht erzählen, das ist unfair unter Kollegen. Aber die tollste Dankesrede bei den Bambis war von Stefan Raab, da hab' ich wirklich Hochachtung, als er einfach sagte "Ich danke, dass ich jetzt diesen Preis bekommen habe, um in einer Liste zu stehen mit..." und dann las er vor, wer noch alles den Bambi bekam und darunter waren dann zum Beispiel Klaus Zumwinkel, DJ Bobo, Maria Hellwig, Marianne & Michael und er meinte "Ich freue mich, in dieser Reihe zu stehen, vielen Dank!". Das war tausendmal geistreicher als Reich-Ranicki, der dann eins zu eins sagte "Alles Scheiße hier!". Raab hat das im Grunde auch gesagt, ohne dass man ihm hinterher was anhaben konnte. Das war echt die schlaueste Dankesrede, die ich je gehört habe.
» Im Film gibt es einige bewegende Momente, als man merkt, Antonio ist völlig entwurzelt und nirgendwo zuhause - denn er meckert in Italien über Italien und lobt Deutschland - aber in Deutschland schimpft er dann über Deutschland und lobt Italien. Kennen Sie das auch von Ihrer Frau?
Privat kenne ich's nicht, weil meine Frau keine Verwandtschaft mehr in Italien hat. Aber diese Szenen im Film finde ich auch sehr schön. Das macht total Sinn und machte sehr viel Spaß zu drehen.
» Was schmeckt Christian Ulmen besonders?
Ich ess' alles! Ich hab auch früher in Jugendherbergen nie das Essen zurückgegeben. Das war ja auch so'n Sport, wenn die Nudeln kamen, dass man da sagte "Igitt, die kleben ja total!" oder "Was ist das denn für ne Butter, die hab ich ja noch nie gegessen!". Ich hab' immer alles gegessen, auch die Reste der anderen. Es gibt nichts, was ich nicht mag. Ich ess' einfach sehr, sehr gerne, fast alles, auch Fast Food, alles! Und Weißwürste esse ich sehr gerne. Obwohl ich mal gehört habe, dass da Hirn drin ist und seitdem habe ich ein ambivalentes Verhältnis zu Weißwürsten...

































