Danny Boyle

Portrait von Danny Boyle
Danny Boyle

User-Bewertung

3 VOTES
83%
GEBURTSTAG:
20.10.1956 in Manchester, England

LEBT IN:
Großbritannien

Kurzinfo

Mit dem Drogen-, Junkie- und Dealer-Comedy-Thriller "Trainspotting" erneuerte Regisseur Danny Boyle 1996 das New British Cinema, indem er vollkommen auf sozialpolitische Stellungnahmen oder moralische Akzente verzichtete und den ungehemmten Lauf der Dinge zwischen Arbeitslosigkeit, Alltagsträumen, Drogenräuschen, Galgenhumor, Fußball, Pub und Verwahrlosung in schräge, skurrile und surreal verfremdete Bilder packte. Teils mit den Mitteln des Video-Musik-Clips erzählt der Film die Geschichte eines ...

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GEBURTSDATUM: 20.10.1956 | GEBURTSORT: GROßBRITANNIEN
Mit dem Drogen-, Junkie- und Dealer-Comedy-Thriller "Trainspotting" erneuerte Regisseur Danny Boyle 1996 das New British Cinema, indem er vollkommen auf sozialpolitische Stellungnahmen oder moralische Akzente verzichtete und den ungehemmten Lauf der Dinge zwischen Arbeitslosigkeit, Alltagsträumen, Drogenräuschen, Galgenhumor, Fußball, Pub und Verwahrlosung in schräge, skurrile und surreal verfremdete Bilder packte. Teils mit den Mitteln des Video-Musik-Clips erzählt der Film die Geschichte eines Freundesquartetts, das sich durchschlägt und einen letzten Deal durchzieht, bis es von seinem heimlichen Führer Renton (Ewan McGregor) gelinkt wird und sich auflöst. Der enorm erfolgreiche Film machte Hauptdarsteller Ewan McGregor und seinen Regisseur zum Star.
Danny Boyle wurde 1956 geboren und begann als Theaterregisseur, bevor er zum Fernsehen wechselte und einige teils kontrovers diskutierte Filme und TV-Serienepisoden inszenierte. 1993 legte er mit dem schwarzhumorigen "Kleine Morde unter Freunden" eine gelungene Krimikomödie um eine lockere Dreier-WG, eine zu beseitigende Leiche (in Hitchcock-Tradition) und Verrat vor, deren Überraschungserfolg den Weg zu dem nach dem Roman von Irvine Welsh adaptierten "Trainspotting" ebnete. Hauptdarsteller Ewan McGregor arbeitete ein drittes Mal für Boyle in dem in den USA entstandenen Film "Lebe lieber ungewöhnlich", einer schrillen Mischung aus Screwball Comedy, Love Story, Ghost Story und Entführungsgeschichte, in der McGregor von Cameron Diaz zu ihrer Entführung gezwungen wird und die beiden von zwei auf die Erde gefallenen Engeln, die als weißgekleidete Killer arbeiten, überwacht werden.
Nachdem sich ein Projekt mit Sharon Stone zerschlagen hatte, inszenierte Boyle an den Originalschauplätzen in Thailand mit "Titanic"-Star Leonardo Di Caprio in der Hauptrolle den exotischen Aussteigerfilm "The Beach", der - nach dem Roman von Alex Garland - schildert, wie die Idylle einer Hippie-Kommune auf einer Insel samt azurfarbener Lagune an den Egoismen und Machtinteressen der Mitglieder zerbricht. Boyles elektrisierend aufregende Filmsprache ist nur noch in den Anfangssequenzen des handwerklich versierten Abenteuerfilms zu erkennen.
Nach kleineren Produktionen für das britische Fernsehen meldete sich Boyle 2002 mit der auf DV gedrehten Low-Budget-Produktion "28 Days Later" zurück, für die "Beach"-Autor Garland das Drehbuch schrieb. Der postapokalyptische Horror-Film handelt von einem Virus, das fast alle Bewohner Großbritanniens in blutrünstige Zombies verwandelt hat, und schildert den Überlebenskampf der letzten gesunden Menschen der Insel. Vor allem in der zweiten Hälfte gibt sich der Film hemmungslos dem Blutrausch hin. Gänzlich neues Terrain betrat er mit dem märchenhaften "Millions", in dem zwei Jungen plötzlich zu viel Geld kommen.
Sein Science-Fiction-Film "Sunshine" (2007) geht von der etwas absurden Idee aus, dass die Sonne langsam verlöschen wird, und um die dadurch drohende Eiszeit auf Erden zu verhindern, soll der Stern bombardiert werden. 2007 kam "28 Weeks Later" in die Kinos. Boyle war bei dem Sequel von "28 Days Later" neben Andrew Macdonald an der Produktion mitbeteiligt. Ein Jahr später gelang dem Regisseur mit "Slumdog Millionaire" erneut ein großer Erfolg. Sein modernes Märchen um einen jungen Mann aus den Slums, der in der indischen Version von "Wer wird Millionär?" nur noch die gewinnbringende Frage beantworten muss, räumte bei der British Independent Filmpreisverleihung gleich drei Auszeichnungen ab. Gekrönt wurde dieser Erfolg durch einen British Academy Award, einen Golden Globe und schließlich durch einen Oscar für die beste Regie.
GEBURTSDATUM: 20.10.1956 | GEBURTSORT: GROßBRITANNIEN
"Der Oscar war ein reiner Segen" 09.02.2011

"Slumdog Millionär"-Macher Danny Boyle über "127 Hours", in dem sich ein Kletterer den Arm abtrennt, die Arbeit mit zwei Kameras und seinen Oscar.

Mit "127 Hours" lotet Oscargewinner Danny Boyle nach "Slumdog Millionär" einmal mehr die Möglichkeiten des digital Machbaren aus. Sein Drama über den Bergsteiger Aaron Ralston, der sich aus einer lebensgefährlichen Situation erst nach fünf Tagen befreien konnte, als er sich selbst den Arm abschnitt, ist eines der Kinohighlights des Frühjahrs.
Eine Geschichte mit einem Helden, der zwischen einer Felswand und einem Fels eingeklemmt ist, drängt sich nicht unbedingt als Film auf.
DANNY BOYLE: Das war das Reizvolle. Eines unserer täglichen Mantras am Set war es, einen Actionfilm zu machen, in dem sich der Protagonist nicht bewegen kann.
War es eine schwer zu knackende Nuss?
Andere haben es so empfunden. Ich habe es in ihren Gesichtern gesehen, dass sie sich nicht vorstellen konnten, wie aus dieser Geschichte Kino zu machen ist. Aber für mich war das nie ein Problem. Für mich steckte sie von Anfang an voller filmischer Möglichkeiten. "127 Hours" stand und fiel mit der Besetzung der Hauptfigur. Als ich James Franco sah, wusste ich, dass ich den Richtigen gefunden hatte. Entscheidend war dann, dass er den Film als gemeinsames Projekt ansah und sich ganz in seinen Dienst stellte. Er entwickelte mit meinen zwei Kameramännern schnell einen intensiven Rapport, der es ihnen bei den Szenen im Canyon auch in den beiläufigen Momenten erlaubte, sehr dynamisch zu agieren.
Die Kamera spielt in Wahrheit eine weitere Hauptrolle.
Absolut. Es war trotz unserer kleinen Digitalkameras nicht einfach, in der Enge des Canyons zu drehen. Es war ein bisschen wie ein Tanz mit James, der sich trotz der offensichtlichen Limitationen ganz flüssig mit ihnen
bewegte. Sein Körper und die Kameras waren eine Einheit.
Wie gut kann man bei einer solchen Vorgehensweise planen?
Wenig. Wir wussten, was wir wollten. Wie wir es dann bekommen würden, ergab sich während des Drehs. Das ist mit diesen unglaublichen Kameras kein Problem; sie sind so beweglich, und ihr Bild ist so gut, dass man mit hoher Geschwindigkeit sehr kreativ drehen kann. Ich weiß, dass viele Filmemacher romantisch der alten Ära des Films nachhängen. Aber, sorry Jungs, diese Zeit ist vorbei. Film braucht man nicht mehr; er ist so ungelenk und aus der Zeit gefallen wie eine alte Druckerpresse. Digital gehört die Zukunft.
Warum zwei Kameramänner?
Ich hatte Angst, der Film könnte zu monolithisch oder träge werden. Also fasste ich den Plan, mit Anthony Dodd Mantle und Enrique Chediak zwei grundverschiedene Kameramänner zu engagieren, um innerhalb der Szenen mit ihren jeweiligen Ansätzen zu spielen. Der Schuss ging nur leider voll nach hinten los. Sie kamen so gut miteinander aus, dass man ihre Aufnahmen nicht voneinander unterscheiden kann.
Die andere harte Nuss muss gewesen sein zu entscheiden, was man zeigen darf?
Ich habe genug mit Studios gearbeitet, um zu wissen, dass das eine besonders trickreiche Szene sein würde. In seinem Buch "Im Canyon" beschreibt Aaron Ralston diese Momente einfach überwältigend gut. Man spürt, dass er es selbst durchlebt hatte. Ich wollte der Vorlage gerecht werden. Es sollte nicht sensationalistisch sein, um ein Horrorpublikum anzusprechen. Ich wollte es aber auch nicht trivialisieren, als wäre es ein Klacks gewesen. Das Ergebnis sollte entscheidend sein. Aaron sagt, dass er danach ein kompletterer Mensch war als davor. Um diese Reise hin zur Menschlichkeit sollte es gehen. Zur Verteidigung des Studios muss ich sagen, dass sie es auch kapiert haben, auch wenn es die Szene war, vor der sie am meisten Angst gehabt hatten.
Hatten Sie sich diese Freiheit auch mit dem Erfolg von "Slumdog Millionär" erkauft, der ebenfalls von Fox Searchlight ausgewertet wurde?
Die Freiheit bestand darin, dass ich den Film überhaupt machen durfte. Sofern nicht ein Topregisseur wie Steven Spielberg oder ein Superstar wie Tom Cruise beteiligt sind, erhält man für einen solchen Stoff eigentlich kein grünes Licht, schon gar nicht in Tagen wie diesen, in denen die Independents hart zu kämpfen haben. Aber wir waren wohl sehr überzeugend, also schenkten uns Pathé und Fox Searchlight ihr Vertrauen. Ich weiß das zu schätzen.
"127 Hours" ist die Antithese zu den großen Blockbustern. Anstatt auf immer größerer Leinwand zu malen, verengen Sie den Fokus auf das Wesentliche und füllen damit die Leinwand.
Kino, das sind eben nicht - oder zumindest nicht nur - explodierende Armeen und fliegende Dinosaurier. Mir war es wichtig, den Zuschauer für Momente zu öffnen, in denen nachdrücklich nichts passiert, und seine Sinne für die ganz kleinen Dinge zu schärfen. Schnell wird einem bewusst, dass auch die großen Epen ihre Wirkung großteils mit Sound erzielen. Mir war es wichtig, dass man in "127 Hours" wirklich die Ohren spitzt und zuhört.
Kann man "127 Hours" als nahen Verwandten von "Slumdog Millionär" bezeichnen?
Offenkundig erzählen beide Filme Geschichten über junge Männer, die gegen alle Umstände triumphieren. Aber dann sind es die krassen Gegensätze, die die Filme miteinander verbinden: "Slumdog Millionär" ist ein Film über Mumbai, eine Millionenmetropole, wo man den Menschen einfach nicht entgeht. "127 Hours" ist ein Film über die Natur, in dessen Mittelpunkt absolute Isolation steht. Insofern erzählen beide Filme etwas über unser Bedürfnis, in der Nähe anderer Menschen zu sein.
Hatte der Gewinn des Oscars Einfluss auf "127 Hours"?
Wenn ich ehrlich bin, ja, das hatte er. Man geht mit besonders viel Selbstvertrauen an die Arbeit. Natürlich sollte man sich in Bescheidenheit üben, wenn man einen solchen Preis erhält. Aber ich war danach einfach erfüllt
von Energie, und das war gut bei einem solchen Projekt, bei dem man einfach nicht wissen kann, ob das, was man sich vorgestellt hat, auch wirklich funktioniert.
Der Oscar war also ein Segen und kein Fluch?
Ein reiner Segen. Er gab uns den Schneid, mutige Entscheidungen zu treffen.
Jeder andere Regisseur hätte den Oscar genutzt, um sich ein Big-Budget-Projekt zu angeln und Kasse zu machen.
Die Wahrheit ist, dass ich mich nicht wohlfühlen und keine gute Arbeit abliefern würde. Ja, diese Filme werden mir angeboten, aber ich habe meine Lektion aus "The Beach" gelernt. Ich hatte viel Geld, große Stars, Zeit - aber nicht den richtigen Ansatz; es gefiel mir nicht, ich fühlte mich nicht befreit. Ich bin kein Christopher Nolan oder Guy Ritchie, die in solchen Szenarien aufblühen. Es wäre für alle Beteiligten eine einzige Enttäuschung. Ich muss die richtige Geschichte haben, dann wird meine Ambition geweckt, innerhalb des Budgets die allerbeste Arbeit abzuliefern. So will ich das auch künftig halten.
Oscar-Nominierungen: Duell zwischen Firth in "King's Speech" und Bridges in "True Gri 25.01.2011

Colin Firth sorgt als Stotter-Monarch in "The King's Speech" für 12 Oscar-Chancen, Jeff Bridges im Western "True Grit" für 10. "Black Swan" enttäuscht.

Königlicher Zungen-Akrobat gegen Western-Veteran mit Augenklappe.
Das sind Helden, wie Hollywood sie liebt: Colin Firth glänzt im wundervollen Historienfilm "The King's Speech" als englischer König George VI, der den Thron nie wollte, weil er schlimm stottert, und dann doch am Vorabend des Zweiten Weltkriegs Britannien auf den Kampf gegen Hitler einschwören soll. Die gefühlvoll inszenierte Antihelden-Geschichte wurde von der Academy of Motions Picture Arts and Sciences für sage und schreibe 12 Oscars nominiert - und ist damit sicher auch der Favorit auf die Auszeichnung als bester Film.
Dahinter folgt der neue Streich der Academy-Lieblinge Joel und Ethan Coen, die zuletzt mit "No Country for Old Men" abgeräumt hatten. Ihr Remake des John Wayne-Klassikers "Der Marshall" unter dem Titel "True Grit" bringt es für die Verleihung am 27. Februar auf insgesamt 10 Nominierungen. Darunter selbstverständlich auch Jeff Bridges, der in die offensichtlich doch nicht unausfüllbaren Fußstapfen von John Wayne tritt.
Trotzdem gilt Colin Firth als Favorit auf den Oscar für den besten Hauptdarsteller, nicht zuletzt da Bridges erst letztes Jahr den Oscar für "Crazy Heart" gewann. Bestenfalls Außenseiterchancen haben Jesse Eisenberg als Facebook-Gründer in "The Social Network", James Franco als Outdoor-Freak in "127 Hours" und Javier Bardem in "Biutiful", dessen Film auch als Favorit in der Kategorie Bester nicht-englischsprachiger Film gehandelt wird - ein deutscher Beitrag ist dort diesmal leider nicht nominiert.
Als Gewinner dürfen sich zudem schon jetzt das Facebook-Drama "The Social Network" und Christopher Nolans SciFi-Verwirrspiel "Inception" mit 8 Nominierungen zählen. Das Box-Drama "The Fighter" mit Mark Wahlberg und Christian Bale, beide auch als Darsteller nominiert, bringt es auf 7 Oscar-Chancen, dann folgt mit 6 Nominierungen das Extremsportler-Drama "127 Hours" von "Slumdog Millionär"-Macher Danny Boyle um einen Mann, der sich den eigenen Arm abtrennt.
Erst dann reiht sich der im Vorfeld schwer gehypete Ballett-Thriller "Black Swan" ein, der es überraschend auf lediglich 5 Oscar-Chancen bringt. Trotzdem ist Natalie Portman weiter die unantastbare Favoritin für den Oscar als beste Hauptdarstellerin: Die Mitbewerberinnen Nicole Kidman im Familiendrama "Rabbit Hole", Annette Bening im Patchwork-Familienfilm "The Kids Are All Right", Jennifer Lawrence im Südstaatendrama "Winter's Bone" und Michelle Williams im Liebestagebuch "Blue Valentine" haben nicht annähernd so eindringliche schauspielerische Leistungen zu bieten.
Ebenfalls 5 Nominierungen gab's etwas überraschend für "Toy Story 3", der nicht nur als bester Animationsfilm, sondern auch als bester Film nominiert ist, dazu in den Kategorien Drehbuch, Filmsong und Tonschnitt.
Als beste Filme sind konsequenterweise hauptsächlich die Filme nominiert, die auch insgesamt die meisten Nominierungen erhielten. Neben den erwähnten "The King's Speech", "True Grit", "The Social Network", "Inception" (der allerdings fast nur in "technischen" Kategorien nominiert ist), "The Fighter", "127 Hours", "Der Seeräuber" und "Toy Story 3" sind das außerdem "The Kids Are All Right" (4 Nominierungen) und "Winter's Bone" (ebenfalls 4).
Der Regisseur trägt enorm zum Gelingen oder Scheitern des gesamten Films bei, meint auch dieses Jahr wieder die Academy, und so sind die Macher der multipel nominierten Filme auch hier ganz vorn dabei. Tom Hooper dürfte logischerweise für "The King's Speech" die besten Karten haben, gefolgt von den Coens für "True Grit", die aber möglicherweise schon den ein oder anderen Preis zu viel gewonnen haben. David Fincher für "The Social Network", David O. Russell für "The Fighter" und Darren Aronofsky für "Black Swan" werden wohl das Nachsehen haben.
Klarer Favorit auf den Oscar als bester Nebendarsteller ist eindeutig Geoffrey Rush, der in "The King's Speech" den exzentrischen Sprachtherapeuten von King George spielt. Christian Bale hat als Mark Wahlbergs Boxer-Bruder in "The Fighter" eine Außenseiterchance.
Enger geht's bei den Damen zu: Die junge Hailee Steinfeld gilt als Geheimtipp, sie bittet in "True Grit" Jeff Bridges um Hilfe bei der Suche nach dem Mörder ihres Vaters. Amy Adams spielt in "The Fighter" groß auf, ihre Kollegin Melissa Leo (zuletzt für "Frozen River" nominiert) macht ihr im selben Film direkte Konkurrenz. Auch Helena Bonham Carter könnte als Ehefrau von Colin Firth alias König George in "The King's Speech" gewinnen und von einem möglichen Goldregen in anderen Kategorien profitieren. Für Jackie Weaver aus "Animal Kingdom" gilt dagegen wohl eher die alte Oscar-Platitüde: "Es ist schon eine Ehre, nur nominiert zu sein?"
"Mussten zeigen, wie er den Arm abtrennt" 24.11.2010

Ein Mann schneidet sich aus Verzweiflung selbst einen Arm ab. Drehbuchautor Simon Beaufoy verteidigt sich gegen den Proteststurm um "127 Hours".

In den USA schlägt Danny Boyles neuer Film, "127 Hours" hohe Wellen. Die entscheidenden Szenen, in denen sich der Held selbst den Arm abtrennen muss, um sich befreien zu können, sind manchen Kinobesuchern offenkundig zu viel. Drehbuchautor Simon Beaufoy nimmt Stellung.
"127 Hours" sorgt für Aufruhr in den amerikanischen Kinos. Angeblich ist der Film zu intensiv für das Publikum. Sind Sie überrascht?
SION BEAUFOY: Es war zu erwarten. Es ist der entscheidende Moment in "127 Hours"; alles läuft darauf hinaus, dass Aaron Ralston sich nach 127 Stunden Gefangenschaft den Arm abtrennt. Natürlich haben wir lange überlegt, ob wir das zeigen können, wie man es zeigen kann, was man zeigen muss. So eine Entscheidung bricht man nicht übers Knie. Aber sie war zwingend: Der Vorgang hat tatsächlich länger als eine Stunde gedauert, danach war er ein freier Mann. Das kann man nicht nicht zeigen. Der ganze Film wird aus der Sicht unseres Protagonisten gezeigt. Man muss also einen Weg finden,
diesen Moment in seiner ganzen Bedeutung rüberzubringen.
Sie hatten dennoch ein Einsehen: Die Tat wird nicht in voller Länge ausgewalzt.
Um Himmels Willen! Uns war nur wichtig zu zeigen, welch eine extreme Tat das war. Dass musste also gar nicht lange dauern. Es fühlt sich ohnehin lange genug an. Aber Sie müssen verstehen: Diese Szene soll nicht schockieren, wir wollen nicht austesten, wie viel das Publikum ertragen kann. Im Gegenteil: Sie müssen verstehen, dass Aaron in diesem Augenblick glücklich war. Es ist ein euphorischer Moment, ein Moment des Triumphs. Aaron hat gelacht und gestrahlt, als er sich den Arm abgeschnitten hat. Und er hat darauf bestanden, dass wir das im Film auch genauso zeigen.
Gab es Widerstand vom Studio?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie begeistert waren. Sicherlich hätten sie lieber "Slumdog Millionär" von uns gesehen. Aber es war von vornherein klar, worum es bei "127 Hours" gehen würde. Es führte kein Weg daran vorbei. Natürlich ließ man uns wissen, dass wir nicht zu weit gehen sollten. Als wir Fox Searchlight und Pathé einen ersten Schnitt zeigten, mussten sie erst einmal nach Luft schnappen, teilten aber unsere Meinung, dass der Film nicht funktionieren würde, wenn man im letzten Akt etwas wegließe.
Ohnehin gab es noch größere Probleme zu bewältigen.
Es ist ein Actionfilm, in dem sich der Held nicht bewegen kann. Wie macht man das? Wie übersetzt man das in einen Film und gestaltet ihn interessant und packend? Bei "Slumdog Millionär" habe ich von Danny Boyle gelernt, dem Risiko nie aus dem Weg zu gehen, sondern es auf die Hörner zu nehmen. Entsprechend sind wir hier auch vorgegangen: Anstatt sich zu überlegen, wie man gewisse Hürden umgehen kann, machten wir es uns zum Ziel, jede einzelne von ihnen zu nehmen.
Hat Ihnen der Oscar Rückenwind gegeben?
Man wird anders wahrgenommen. Entscheidend ist, sich den Erfolg nicht zu Kopf steigen zu lassen. Zum Glück war die Arbeit an "127 Hours" bereits abgeschlossen. Das half. Das Gute an "Slumdog" ist, dass man mich jetzt nicht mehr als den "Full Monty"-Typen ansieht. Jetzt bin ich der "Slumdog"-Typ. Aber es gibt Schlimmeres.
Bond 23 nimmt Formen an 15.06.2009

Die Bond-Produzenten haben Topautor Peter Morgan ("Die Queen") die Lizenz zum Schreiben für das neuste Bond-Abenteuer erteilt.

Erfolgsautor Peter Morgan unterstützt Neal Purvis und Robert Wade beim Schreiben des neuen Bond-Drehbuchs.
Die Wogen des letzten Bond-Abenteuers "James Bond 007: Ein Quantum Trost" sind noch nicht ganz geglättet, da steht schon das Autorenteam für den nächsten Spionstreich fest. Neben dem bewährten Gespann Neal Purvis und Robert Wade, die bereits an den letzten vier Teilen mitwirkten, konnten die Produzenten nun Peter Morgan für die Geheimsache begeistern. Der 46-Jährige machte sich einen Namen durch die Drehbücher von "Die Queen", "Frost/Nixon" und "Der letzte König von Schottland - In den Fängen der Macht". Als Lohn seiner Kreativität konnte der Schreiber bereits eine Oscar-Nominierung einfahren.
Die Filmemacher dürfen zufrieden sein, haben sie doch mit der Verpflichtung des illustren Autorenteams einen wichtigen Schritt in Richtung Dreh getan. Derweil wird über die Beteiligten viel spekuliert. Daniel Craig wird zum dritten Mal den smarten Superagenten spielen. Als Regisseur wurde bereits Oscar-Abräumer Danny Boyle gehandelt. Auch dessen "Slumdog"-Hauptdarstellerin Freida Pinto sowie Jennifer Aniston und Angelina Jolie sind im Gespräch. Bis die genaue Besetzungsliste steht, dürften noch einige Tage ins Land ziehen. Der Filmstart ist nämlich erst für 2011 angesetzt.
"All die Preise sind mir egal" 18.03.2009

Regisseur Danny Boyle über seinen Oscar-Hit "Slumdog Millionär", indische Straßenköter und darüber, wie es in den Slums riecht.

Mit seinem historischen Gewinn von acht Oscars für "Slumdog Millionär" ist Danny Boyle endgültig in die erste Regie-Riege aufgestiegen. Im Gespräch mit KINO.DE erzählt der Oscar-Gewinner von seinen Erfahrungen bei den Dreharbeiten in Indien.
» Wie wird Ihr Film in Indien aufgenommen?
DANNY BOYLE: Es geht rund. Unser Komponist A. R. Rahman wird in Indien vergöttert. Das ganze Land liebt das Kino, und er ist der bedeutendste Filmkomponist. Dass er von Hollywood geehrt wurde, bedeutet den Menschen sehr viel.
Es hagelt aber auch Kritik, weil wir es uns als Ausländer anmaßen, über Indien zu urteilen. Damit muss man rechnen. Ich bin ein Außenseiter, mein Blick auf das Land kann nicht komplett sein. Deshalb bin ich für Kritik dankbar. Es war Privileg genug, überhaupt vor Ort drehen zu können. All die Preise sind mir egal. Entscheidend ist, dass mir diese Erfahrung keiner mehr nehmen kann.
» Worum ging es Ihnen?
Mir war es wichtig, dem Ort gerecht zu werden. Ich wollte festhalten, was ich gesehen habe, wie es sich für mich anfühlte. Das ist uns gelungen. Darauf bin ich stolz.
» Ohne Frage haben Sie mit einem präzisen Drehbuch gearbeitet. Trotzdem wirkt der Film, als wäre er sehr spontan entstanden.
Grundsätzlich halte ich mich immer strikt ans Drehbuch. Ich bin da auch sehr streng mit meinen Schauspielern. Improvisation ist nicht mein Ding. Aber wenn man in Mumbai dreht, mitten auf den Straßen, ist es unmöglich, die Kontrolle zu bewahren. Man kann es versuchen. Aber man wird nur Geld und Zeit verpulvern, um dann mit einem Film dazustehen, der die Realität nicht im Entferntesten widerspiegelt.
Also wählten wir einen anderen Ansatz und setzten uns ganz bewusst der Energie der Stadt aus. Es ist tatsächlich so, als fegte eine Flutwelle nach der anderen durch die Straßen. Es ist berauschend. Zum Glück, sonst hätte ich vor Angst vergessen zu atmen: Man hat keine Gelegenheit, sich abzusichern, dass man wirklich alles im Kasten hat. Wir haben sogar den Moment im Film gelassen, in dem uns ein Mann entgegenläuft und sagt, dass wir hier nicht drehen dürften. Das war unser Tribut an die Stadt. Ich glaube, das gibt dem Film das gewisse Etwas, diese Mischung aus Kontrolle und Chaos.
» Hatten Sie jemals Angst, der Film könne Ihnen entgleiten?
Das war das Aufregende. Oft wussten wir erst nach der Sichtung des Materials, ob wir das Gedrehte auch gebrauchen können. Wir haben entdeckt, dass man auf diese Weise Reichtümer zutage fördert, die man sich nie erträumt hätte.
Ein Beispiel: Es gibt da einen Moment, in dem ein Hund auf der Straße schläft, als die Kinder eine Straße entlanglaufen. Hätten wir die Straße für den Dreh sperren lassen, wäre der Hund weg gewesen. Dabei sind diese Hunde typisch für die Stadt: Tagsüber pennen sie, abends werden sie wach und sie sind die einzigen lebenden Wesen in den Straßen, weil nach Sonnenuntergang die Gehsteige hochgeklappt werden.
» Wie wichtig war es Ihnen, Ihren Film in der Bollywood-Tradition zu erzählen?
Nicht übermäßig, ich bin kein Kenner des indischen Films. Aber man profitiert als Filmemacher automatisch von Bollywood, wenn man in Indien dreht. Es ist eine gewaltige Industrie, voller Selbstvertrauen. Die Schauspieler drehen fünf oder sechs Filme gleichzeitig, sie haben nie Auszeiten. Denen macht keiner was vor. Das überträgt sich auch auf die Bevölkerung. Wir haben mit vielen Laien gearbeitet, die mit einer beeindruckenden Professionalität gearbeitet haben.
Ich muss gestehen, dass mich Mumbai überfordert hat. Die Gewalt, Armut, das Leid auf der einen Seite, die unbändige Lebensfreude auf der anderen. Das wollte ich zeigen: Alles passiert nebeneinander. Luxuriöse Wolkenkratzer werden hochgezogen - und auf der anderen Straßenseite beginnen die Slums. Die Extreme hängen miteinander zusammen, was bereits der Titel des Films ausdrückt.
» Welche Erwartungen hatten Sie, als Sie nach Indien kamen?
Ich war mir sicher, dass die Inder einen Briten Meilen gegen den Wind riechen können. Irrtum: Wir sind unsichtbar für sie, eine historische Fußnote. Wir spielen keine Rolle mehr im indischen Alltag. Diese Rolle haben China, Brasilien, Russland und die USA übernommen. Das hat mich regelrecht schockiert. Ich habe außerdem Armut erwartet. Man entkommt ihr nicht. Am stärksten erinnere ich mich an den Geruch in den Slums, eine Mischung aus Exkrementen und gleichzeitig Jasmin und Saffran.
» Ihr Vater war im Zweiten Weltkrieg in Indien stationiert. Inwiefern decken sich seine Erzählungen mit Ihren Erfahrungen?
Er war da, um für eine geheime Landinvasion Japans vorbereitet zu werden. Er und seine Kumpels wussten, dass sie das nicht überleben könnten. Dann fiel die Bombe auf Hiroshima, und er war gerettet und segelte nach Hause, von heute auf morgen. Er erzählte mir von der entsetzlichen Armut und Gewalt, wenn sie Bettler von den Straßen räumten. Und davon, wie sauber und reinlich die Menschen seien, was im krassen Gegensatz zu dem Dreck auf den Straßen stünde.
Als ich groß wurde, war das britische Fernsehen voller Comedy-Sendungen, die rassistische Witze über die indischen Einwanderer rissen, sie als schmutzige Wilde verhöhnten. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Ich weiß noch, dass mein Vater dann immer abschaltete, weil er mit Indien tolle Erinnerungen verknüpft hatte und das Land mochte. Mein bester Freund in der Schule hieß Dilib Choudhury, war also offenkundig indischer Herkunft. Darüber haben wir aber nie gesprochen. Sondern über Mädchen, Autos und Filme. Wir waren einfach ganz normale Jungs.
Heath Ledger gewinnt Golden Globe 12.01.2009

Der 2008 tragisch verstorbene Heath Ledger ist für "The Dark Knight" als bester Nebendarsteller ausgezeichnet worden. Bester Film: "Slumdog Millionär".

Viele hatten auf ihn getippt und die Jury hatte tatsächlich den Mut für eine postume Auszeichnung - jetzt deutet auch alles auf einen Oscar für Heath Ledger hin.
Normalerweise ist der Preis für den besten Nebendarsteller eine Randnotiz bei der Verleihung der Golden Globes. Doch dieses Jahr war es die meistbeachtete Kategorie bei der Zeremonie in der Nacht zum Montag in Los Angeles: Die Vertreter der Auslandspresse, die die Globes vergeben, ehrten Heath Ledger für seine Rolle als Joker in "The Dark Knight" als besten Nebendarsteller. Ledger war vor knapp einem Jahr unter tragischen Umständen an einem tödlichen Cocktail von Schlaf- und Schmerzmitteln gestorben. Postume Ehrungen sind sowohl bei den Globes als auch bei den Oscars - für die Ledger nun ebenfalls als Favorit gilt - eine große Ausnahme.
In den Königskategorien dominierte ansonsten der Independent-Film: "Slumdog Millionär" über einen Jungen, dem beim indischen "Wer wird Millionär" Betrug vorgeworfen wird, wurde zum besten Drama gekürt. Woody Allens zynischer Reigen um Liebe und Untreue "Vicky Cristina Barcelona" ist nach Meinung der Jury die beste Komödie. Bester Animationsfilm wurde "WALL·E - Der Letzte räumt die Erde auf".
Als bester Schauspieler setzte sich Mickey Rourke in seiner Rolle als alternder Catcher im anrührenden Drama "The Wrestler" überraschend gegen Sean Penn ("Milk") durch. Beste Schauspielerin ist Kate Winslet für das starke Beziehungsdrama "Zeiten des Aufruhrs", in dem sie neben ihrem "Titanic"-Partner Leonardo DiCaprio zu sehen ist. Dazu gewann Winslet für die Romanverfilmung "Der Vorleser" auch den Preis als beste Nebendarstellerin. Bester komischer Schauspieler ist Colin Farrell für "Brügge sehen... und sterben?", Sally Hawkins setzte sich mit "Happy-Go-Lucky" durch.
Die deutsche Hoffnung "Der Baader Meinhof Komplex" ging leider leer aus. Das RAF-Drama musste sich im Rennen um den besten ausländischen Film der deutschen Koproduktion "Waltz With Bashir" geschlagen geben, die für Israel ins Rennen gegangen war.
Der beste Film "Slumdog Millionär" bescherte auch seinem Regisseur Danny Boyle einen Globe - seinen ersten. Zudem wurden Drehbuchautor Simon Beaufoy und Komponist A. R. Rahman ausgezeichnet. Der beste Song stammt von Bruce Springsteen für "The Wrestler".
Die Golden Globes gelten insgesamt als wichtiger Fingerzeig für die Oscar-Verleihung, die in der Nacht des 22. Januar vergeben werden.
GEBURTSDATUM: 20.10.1956 | GEBURTSORT: GROßBRITANNIEN
Jahr Film
2007 Sunshine
2004 Millions
GEBURTSDATUM: 20.10.1956 | GEBURTSORT: GROßBRITANNIEN
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