David Cronenberg
GEBURTSTAG:
15.03.1943 in Toronto
LEBT IN:
Kanada
15.03.1943 in Toronto
LEBT IN:
Kanada
Kurzinfo
Köpfe explodieren, Videokassetten werden in menschliche Bauchfalten geschoben, ein Mann mutiert schmerzvoll zu einer Fliege, wurmartige Parasiten dringen in Körperöffnungen ein. Bilder wie diese beherrschen die grotesken, alptraumartigen Horrorszenarien, die der kanadische Regisseur David Cronenberg, geboren 1943 in Toronto, in seinen Filmen ausmalt. Cronenberg verbindet die Schreckens- und Ekelszenen mit einer Gesellschaftskritik, die Institutionen für die Unterdrückung der Menschen verantwortlich macht, ...weiter »
GEBURTSDATUM: 15.03.1943 | GEBURTSORT: KANADA
Köpfe explodieren, Videokassetten werden in menschliche Bauchfalten geschoben, ein Mann mutiert schmerzvoll zu einer Fliege, wurmartige Parasiten dringen in Körperöffnungen ein. Bilder wie diese beherrschen die grotesken, alptraumartigen Horrorszenarien, die der kanadische Regisseur David Cronenberg, geboren 1943 in Toronto, in seinen Filmen ausmalt. Cronenberg verbindet die Schreckens- und Ekelszenen mit einer Gesellschaftskritik, die Institutionen für die Unterdrückung der Menschen verantwortlich macht, die ansonsten planmäßig für die Selbstzerstörung ihrer Körper sorgen.Das verstörende Universum des David Cronenberg ist ein radikaleres Pendant zu dem von David Lynch, gespeist vom Kino des Fantastischen, von Bunuel, von Wissenschaftskritik und Medientheorie gleichermaßen. Dabei inszeniert Cronenberg bewusst distanziert und lässt Gedanken an Pornographie, wie sie ein Teil der öffentlichen Kritik sah, nicht aufkommen. Cronenberg studierte in Toronto Naturwissenschaften und Literatur und begann mit experimentellen Filmen, bevor er in den 70er-Jahren mit "Parasiten-Mörder", "Rabid - Der brüllende Tod", "Die Brut" und "Scanners - Ihre Gedanken können töten" das Genre revolutionierte. Die "Scanners" sind Gruppen von Telepathen, denen es um die Herrschaft über die Gesellschaft geht, in "Videodrome" werden die Zuschauer durch elektronische Signale kontrolliert. Die Filme brachten Cronenberg nach Hollywood, wo "Dead Zone" (ein Attentats-Thriller), "Die Fliege", ein Remake des Horrorklassikers von 1958, und "Die Unzertrennlichen" entstanden, letzteres ein Drama um ein Gynäkologen-Zwillingspaar (Jeremy Irons in der Doppelrolle), dessen psychosexuelle Entwicklung auseinanderdriftet und zum Tod der Brüder führt.
Wieder in Kanada, drehte Cronenberg nach einer als unverfilmbar geltenden Vorlage von William S. Burroughs "Naked Lunch", in dem ein Schriftsteller (Peter Weller) in seinen Phantasieprodukten in teils psychedelischer Weise aufgeht. Sein Film "Crash" brachte Männer und Frauen mit Sex, Metall und Autounfällen zusammen, um den ultimativen erotischen Kick zu erreichen. Cronenbergs zwar distanzierte, aber gleichwohl explizite Darstellung von Sexualität und Verstümmelungen löste eine Zensurdebatte aus. Mit "eXistenZ" drang er am Beispiel eines Computerspiels in Grenzbereiche vor, in denen sich menschliche Erfahrungen und virtuelle Existenz teils untrennbar miteinander vermischen und ein "neues Fleisch" entsteht, das die Bio-Mechanik von Filmen wie "Matrix" vorwegnahm.
Der Frage nach der menschlichen Identität widmete sich Cronenberg einmal mehr in "Spider", der allerdings ohne die für ihn sonst üblichen Spezialeffekte auskommt: Die von Ralph Fiennes gespielte, nahezu katatonische Titelfigur haust in einem tristen Männerwohnheim und schreibt in ein Notizbuch jene Erinnerungsfäden nieder, die ihm bei Spaziergängen kommen und die sich zu einer bitteren Pointe verdichten. Ungleich geradliniger präsentierte sich Cronenberg mit dem an Gewaltausbrüchen reichen Rachethriller "A History of Violence", in dem ein scheinbar harmloser Familienvater (Viggo Mortensen) von brutalen Verbrechern mit der Behauptung konfrontiert wird, er sei selbst ein Gangster gewesen, mit dem es noch Rechnungen zu begleichen gäbe.
Cronenberg trat gelegentlich als Darsteller auf, so in "Kopfüber in die Nacht" oder "Die letzte Nacht" seines Freundes Don McKellar, in dem er unmittelbar vor dem Weltuntergang erschossen wird.
GEBURTSDATUM: 15.03.1943 | GEBURTSORT: KANADA
Von Askaban nach Panem: Alfonso Cuaron könnte Nachfolger des "Hunger Games"-Regisseur Gary Ross werden. Doch es gibt weitere hochkarätige Kandidaten.
"Der Gefangene von Askaban" macht Alfonso Cuaron zum idealen Kandidaten für den vakanten Regiestuhl bei der "Hunger Games"-Fortsetzung. Die Zeit drängt, denn schon bald sollen die Kameras für "Catching Fire" laufen ...Die Filmproduktion Lionsgate war vorsichtig: Nur wenn "Die Tribute von Panem - The Hunger Games" einschlägt, gibt es grünes Licht für die beiden Fortsetzungen. Nun sprengt der Erfolg alle Erwartungen und unter Hochdruck soll bereits im August Teil 2 "Catching Fire" entstehen - doch jetzt fehlt ein Regisseur.
Gary Ross, der die "Hunger Games" inszenierte, steht nicht mehr zur Verfügung. Er stieg aus, nachdem zwischen ihm und Lionsgate keine Einigung über den Zeitplan möglich war: Er konnte unter diesem Produktionsdruck nicht garantieren, die hohe Qualität des ersten Teils zu halten. Eine Hypothek, die für seinen Nachfolger nicht leichter zu schultern sein wird.
Drei Namen werden für "Die Tribute von Panem - Catching Fire" gehandelt, ganz oben auf der Liste steht Alfonso Cuaron, Filmfans als Regisseur von "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" bekannt.
Cuaron bringt mit, was Lionsgate als wichtigste Voraussetzung für die "Panem"-Fortsetzungen verlangt: Gleichermaßen Fans der Serie und eine sensible Autorin zufriedenstellen. Was bei Joanne K. Rowling gut ging, wird wohl auch bei Suzanne Collins klappen.
Die beiden anderen Filmemacher auf der kurzen Liste haben ebenfalls einen guten Klang: David Cronenberg ("Tödliche Versprechen") und Alejandro González Inárritu ("Babel") stehen beide für meisterliche Charakterzeichnungen.
"Die Fliege 2" hat David Cronenberg noch nicht abgeschrieben, zu "Tödliche Versprechen 2" ist der Regisseur fest entschlossen.
Liebesgrüße nach Russland: Regisseur David Cronenberg will "Tödliche Versprechen 2" in der Heimat der russischen Mafia spielen lassen.Vergangenen Monat beklagte Starregisseur David Cronenberg öffentlich das fehlende Interesse des Studios 20th Century Fox an einer neuen Fortsetzung von "Die Fliege". Aber ein zweiter Teil von "Tödliche Versprechen" könne noch drin sein.
In einem Interview wurde Cronenberg nun konkret: "Ich fühlte, dass es über Nikolai (Viggo Mortensen) noch viel zu erzählen gibt. Ich wollte, dass er zurück nach Russland geht. In der Urfassung des Drehbuchs von 'Tödliche Versprechen' gab es Szenen, die in Russland spielten. Die hatte ich gestrichen."
"Sie hätten mir die faszinierende Idee, wie Exil-Russen in London versuchen, Russland nachzubilden, verwässert", so David Cronenberg weiter. "Aber jetzt würde ich gerne sehen, wie Nikolai in seine Heimat zurückkehrt."
Zum Thema "Die Fliege 2" hat Cronenberg die Hoffnung auf ein Umdenken des Studios noch nicht aufgegeben: "Die Technologie hat sich in den vergangenen 25 Jahren extrem weiterentwickelt. Es hat mich sehr interessiert, was mir dazu einfällt - ohne zu wissen, ob mir das selbst gefällt oder denen beim Studio. Es endete damit, dass es uns allen gefiel - und trotzdem kommt der Film nicht zustande. Aber man weiß ja nie ..."
Schlechte Nachricht für Horrorfans: Die Fortsetzung des SciFi-Schockers "Die Fliege" wurde abgesagt.
Er wollte sein eigenes Meisterwerk fortsetzen, doch das Studio holte die Fliegenklatsche raus: David Cronenberg muss auf "Die Fliege 2" verzichten.1986 gelangen dem Filmemacher David Cronenberg ("Tödliche Versprechen") und dem Schauspieler Jeff Goldblum ("Jurassic Park") mit "Die Fliege" ein Filmklassiker. Schon lange plante Cronenberg eine Fortsetzung des SiFi-Schocker - doch das Studio machte ihm jetzt einen Strich durch die Rechnung.
Vor zwei Jahren begeisterte David Cronenberg seine Fans mit der Ankündigung, dass er "Die Fliege" neu auflegen wolle. Vergangenen Monat ließ er dann die Bombe platzen: "Die Fliege" ist kein Remake, eher eine Art Fortsetzung. Ich habe bereits das Drehbuch geschrieben - ob der Film aber kommt, liegt in den Händen der Fox."
Nun sollte man erwarten, dass die Studiobosse sich alle Finger danach lecken, wenn ein Ausnahmeregisseur wie David Cronenberg den eigenen Welterfolg noch einmal anfasst. Doch die Fox ließ die dickere Bombe platzen und erteilte dem Projekt eine Absage: "Ich glaube nicht, dass es geschehen wird - das ist das Update", ließ Cronenberg frustriert wissen.
Was Fortsetzungen angeht, hat David Cronenberg immerhin noch ein Eisen im Feuer: Vincent Cassel, sein Star aus "Tödliche Versprechen" hat kürzlich eine Fortsetzung des Gangsterepos ausgeplaudert. "Das kann durchaus möglich sein", kommentierte Cronenberg das Vorpreschen Cassels vielsagend.
Aktuelles von David Cronenberg gibt es ab dem 10. November im Kino. Dann startet sein Psychoanalyse-Verwirrspiel "Eine dunkle Begierde" mit Keira Knightley und Viggo Mortensen in den Hauptrollen.
David Cronenbergs Neuauflagen von "Die Fliege" und "Tödliche Versprechen" rücken in greifbare Nähe - zumindest existieren schon Drehbücher.
"Die Fliege" soll nicht als Reboot oder Remake, sondern als Fortsetzung ins Kino schwirren.Schon länger ist bekannt, dass David Cronenberg seine Hits "Die Fliege" und "Tödliche Versprechen" neu auflegen will. Bis jetzt gab es jedoch nur Vermutungen. Nun aber hat sich Cronenberg etwas tiefer in die Karten schauen lassen. Wie es heißt, gehen beide Filme derzeit bestens voran.
"Die Fliege" werde kein Remake werden, wie lange Zeit angenommen, sondern ein Sequel: "Es wird eine Art von Fortsetzung sein", so David Cronenberg. "Ich habe dazu schon ein Drehbuch geschrieben, bin aber nicht sicher, ob das so umgesetzt werden kann. Das liegt am Ende an Fox." Zu "Tödliche Versprechen 2" hielt sich Cronenberg dann doch noch etwas bedeckt: Die Äußerung von Vincent Cassel, dass alle Schauspieler von Teil eins wieder mit an Bord sein werden, bestätigte Cronenberg nicht, behauptete aber auch nicht das Gegenteil: "Das kann durchaus möglich sein", so der Regisseur. Immerhin gäbe es schon ein Drehbuch, dass Steve Knight, der Autor des ersten Films, verfasst hat.
Am 10. November kommen David Cronenberg-Fans im Kino wieder auf ihre Kosten, denn an dem Tag startet der nächste Film des Ausnahmeregisseurs - diesmal recht unblutig, dafür voll von bizarrer Seelengewalt: "Eine dunkle Begierde" heißt das Projekt, in dem sich Keira Knightley, Viggo Mortensen und Michael Fassbender in die Wirren der Freudschen Psychoanalyse verstricken.
"Twilight"-Star Robert Pattinson lässt es in der Verfilmung des Erfolgsromans "Cosmopolis" als fieser Börsenhai mit Keira Knightley krachen.
Nix mehr netter Vampir!Robert Pattinson arbeitet fleißig an seinem Imagewechsel: Nach dem ewig gutherzig-schmachtenden Nicht-Blutsauger Edward Cullen in der "Twilight"-Saga spielt er in seinem nächsten Film ein echtes Ekelpaket: den rücksichtslosen Spekulanten Eric Packer aus dem Roman "Cosmopolis" des renommierten US-Schriftstellers Don De Lillo. Top-Regisseur David Cronenberg bringt den Stoff ins Kino.
Packer ist ein typischer New Yorker Yuppie, der im Jahr 2000 zur Blütezeit der New Economy mit Börsenwerten jongliert und stets mit dem Handy am Ohr durch den Big Apple stolziert - begleitet von Bodyguards, einem Leibarzt, seiner Frau und seiner Geliebten. Eine der beiden Letzteren wird dabei Keira Knightley spielen. "Keira wird ziemlich viel mit Robert knutschen", verrät ein Kenner des Projekts. "Da sind einige richtig heiße Szenen geplant."
An dem schicksalhaften Tag, den der Roman umfasst, ist gerade der US-Präsident in der Stadt, weswegen Packer im Verkehrschaos versinkt. Doch das bleibt beileibe nicht sein einziges Problem...
"Cosmopolis" gilt als Meilenstein der postmodernen Literatur und entlarvt den menschenverachtenden Zynismus der New Economy, wenn in Stundenfrist Finanzimperien aufgebaut und ganz Volkswirtschaften zertrümmert werden. Robert Pattinson wird dabei im Zentrum des gnadenlosen Spekulantentums stehen - eine echte Herausforderung für den Jungstar.
Zudem Regisseur David Cronenberg zuletzt in "Tödliche Versprechen" bewiesen hat, dass er seine Darsteller aufs Äußerste fordert. Mit Neuzugang Keira Knightley, die für die eigentlich vorgesehene Marion Cotillard einspringt, zeigt sich der düstere Filmemacher aber schon mal hochzufrieden: "Man weiß ja nie, wie gut jemand wirklich ist, bis man am Set zusammenarbeitet. Und Keira ist eine brillante Darstellerin, sie raubte uns allen den Atem. Sie ist ein schauspielerisches Schwergewicht!"
Top-Komponist Howard Shore über seine Anfänge bei Saturday Night Live, den Soundtrack zu "Der Herr der Ringe" und seine Pläne für "The Hobbit".
Beim "Schweigen der Lämmer" grummeln die Bässe, großflächige Akkorde dominieren "Herr der Ringe" und bei seinen Scores für David Cronenberg meint man manchmal Metallica zu hören: Der Kanadier Howard Shore kann als Filmkomponist alles.Als Sie in den 70er Jahren in der Jazz-Rock-Band Lighthouse Saxophon spielten, dachten Sie da schon daran, Komponist zu werden?
HOWARD SHORE: Ich spielte damals viele Instrumente und Stilrichtungen, wusste aber immer schon, dass ich eigentlich Komponist werden wollte.
Sie haben am Berklee College of Music in Boston studiert.
Ja, aber ich habe schon als Zehnjähriger angefangen, mich mit Harmonielehre auseinander zu setzen und da schon erste Stücke geschrieben. Als Musikinstrument lernte ich damals Klarinette. In der Folge komponierte ich alle möglichen Arten von Musik, für Blechbläser-Trios und für Rockbands, für Big Bands, fürs Radio und fürs Fernsehen.
Sie waren zwischen 1975 und 1980 Bandleader der NBC-Kultshow "Saturday Night Live".
Ja, das war damals mehr Live-Theater. Die Show dauerte 90 Minuten. Wir machten Musik, spielten Sketche, rissen Witze, rezitierten Gedichte. Es war viel Improvisation dabei. Das kannte ich von meiner Jugend, denn schon als Zwölfjähriger hatte ich mit Theatergruppen gearbeitet. Ich selbst habe auch Regie geführt und bin als Schauspieler aufgetreten.
Sie waren also schon sehr früh kollaborativ.
Das hat mir immer Spaß gemacht. So bin ich auch beim Film gelandet. Man arbeitet da nicht alleine im luftleeren Raum. Man muss sich absprechen, auseinandersetzen.
Besonders gerne setzen Sie sich mit David Cronenberg auseinander. Wie kommt das?
David ist ein bisschen älter als ich und er wohnte damals in Toronto in meiner Nachbarschaft. Ich war 14, er 17 Jahre alt und brauste mit dieser tollen Ducati in der Gegend herum. Ich hatte noch nie so ein Motorrad gesehen, und auch noch keinen solchen Typen wie ihn. Mit seiner Ledermontur und so. Also fragte ich rum, wer der Typ war.
Und so fanden Sie heraus, dass er Filmemacher war.
Ja. Damals drehte er 8- und 16mm-Filme. Die sah ich auf Underground-Festivals und an Wochenenden bei Filmabenden. Als ich dann 27 Jahre alt war, sprach ich ihn an - ein Freund vermittelte das - und fragte, ob ich für einen seiner Filme die Musik schreiben durfte.
War das dann ihre erste Filmmusik, 1979 zu "Die Brut"?
Nein, ich hatte zuvor die Musik zu Murray Markowitz' "Im Bannkreis des Todes" komponiert.
Mit Cronenberg haben Sie bei rund einem Dutzend Filmen gearbeitet.
Das kommt vielleicht daher, dass wir beide einen ähnlichen Hintergrund haben und in vielen Dingen übereinstimmen. Wir verstehen uns gut.
Wenn Sie einen Auftrag übernehmen, wo fangen Sie an?
Immer beim Buch, bei den Worten. Ich gehe so weit zurück wie möglich. Idealerweise ist das eine Buchvorlage. Dann lese ich mich erst einmal ein. Fange bei Seite eins an. Danach nehme ich mir das Drehbuch vor, versuche die Worte in Musik zu fassen. Ich gehe da sehr emotional vor, versuche die Worte in Gefühle umzuarbeiten und die Gefühle dann in Noten. Wenn die Noten dann stehen, überlege ich mir, wie sie gespielt werden sollen. Welche Instrumente, welche Stilrichtung, Klavierspieler, kleines Ensemble oder großes Orchester. Dabei arbeite ich immer möglichst eng mit dem Regisseur zusammen. Es ist ein ewiger Dialog bei dem die Bilder, der Schnitt, das Spiel der Schauspieler und das Filmtempo in Einklang gebracht werden müssen. Regisseur und Komponist müssen sich gegenseitig respektieren und einander vertrauen.
Sie haben über 50 Preise gewonnen, darunter drei Oscars, Grammys und Golden Globes. Jetzt haben Sie gerade den erstmals verliehenen Filmmusik-Preis des BR erhalten. Welchen Stellenwert messen Sie dem zu?
Preise sind immer eine schöne Anerkennung der eigenen Arbeit. Aber sie haben noch eine weitere wunderbare Eigenschaft: die soziale Komponente. Man trifft andere Leute, die sich mit Musik auseinander setzen. Matthias Keller vom BR kenne ich schon seit Jahren, er ist ein guter Freund, ein guter Autor. Bei diesen Verleihungen wird die Filmmusik gefeiert - das finde ich schön.
Vor allem sind Sie als Komponist der "Herr der Ringe"-Trilogie bekannt, haben aber zu rund 80 Filmen die Musik geschrieben. Stört sie diese "Reduktion"?
Nein. Ich bin sehr stolz auf diese Arbeit, an der ich drei Jahre und neun Monate gearbeitet habe. Ein Buch dieses Kalibers - den wohl komplexesten Fantasy-Roman überhaupt - vertonen zu dürfen, war eine große Ehre. Und dabei auch noch mit Peter Jackson zu kooperieren. Was will man mehr? Es ist sicherlich auch meine beste Arbeit. Es steckt alles drin, was ich weiß, ob nun über Drama, Musik, Kunst und Film. Diese Filmtrilogie ist eine Welt für sich. Vor zehn Jahren wäre ich noch nicht reif genug gewesen, die Musik zu "Der Herr der Ringe" zu schreiben.
In der Musik steckt viel Richard Wagner - "Rheingold" vor allem und auch Richard Strauss. Haben Sie eine besondere Verbindung zu deutschen Komponisten?
Nein, die Vorlage ist im Prinzip ein Stück des 19. Jahrhunderts. Darum habe ich mich auch für eine Musik aus der Mitte des 19. Jahrhunderts entschieden. Tolkiens Vorlage ist vielschichtig, also brauchte ich auch eine vielschichtige Musikpalette, mit der ich arbeiten konnte. Aber das war nur der Ausgangspunkt. Es gibt im Score auch jede Menge Modernismen, zum Beispiel Avantgarde der 1950er Jahre, fast alles ist drin außer elektronischer Musik. Das Herzstück bildet ein Choral, der so Mitte des 19. Jahrhunderts hätte geschrieben werden können. Ich wollte eine vergangene Welt kreieren, Mittelerde ist schließlich 5000, 6000 Jahre vor unserer Zeit. Zudem musste der epische Rahmen gefüllt werden, die Partitur umfasst über 80 Themen und Leitmotive.
Welchen Stellenwert besitzt man heute als Filmkomponist in Hollywood?
Die Frage kann so nicht beantwortet werden. Das kommt immer auf die Art und Größe des Projekts an. Es gibt viel zu viele Faktoren, die in einander spielen. Bei jedem Film sind die Machtstrukturen anders. Man muss einfach mit offenen Augen an das Projekt herangehen, sich darüber im Klaren sein, wo die Fußangeln liegen und in diesem Rahmen eine so gut wie mögliche Arbeit abliefern.
Dann waren Sie also bei Peter Jacksons "King Kong", wo sie von James Newton Howard abgelöst wurden, nicht umsichtig genug?
Das kann man wohl so sagen. Wir hatten künstlerische Differenzen bei "King Kong". Aber es sieht im Augenblick ganz so aus, als würden wir bei "The Hobbit" wieder zusammen kommen. Ich habe gut mit Guillermo Del Toro als Regisseur und Peter Jackson als Produzent begonnen. Jetzt verschieben die Dinge sich gerade. Wir werden sehen.
Die Filmindustrie muss im Augenblick sehr sparen. Spüren sie das als Komponist auch?
Wir alle spüren das, die ganze Industrie, ob Regisseur, Drehbuchautor oder Komponist. Aber das ist nicht nur bei der Filmindustrie so. Auch die Orchester sparen, die Opernhäuser. Wir sind alle Teil der Wirtschaft. Wir baden jetzt alle unsere Finanzskandale aus.
Soundtracks sind ein gutes Geschäft. Glauben Sie, dass Sie allein bestehen können oder untrennbar zum Film gehören?
Das kommt meiner Meinung nach ganz auf die Story des Films an. Ich weiß zum Beispiel, dass die "Herr der Ringe"-Musik als konzertante Aufführung hervorragend funktioniert. Die Symphonie wurde schon über 150 Mal aufgeführt. Und dann gibt's noch diese Aufführungen von "Herr der Ringe" zu Live-Musik - das ist ein ganz anderes Hörerlebnis!
Es gibt einige Orchester, die mit "Herr der Ringe" touren.
Das stimmt. Von mir autorisiert dürfen das aber nur drei Dirigenten tun, Ludwig Wicki aus Luzern, Markus Huber hier aus München und ich. Alles andere ist nicht von mir abgesegnet.
Es gibt da doch noch einige andere konzertante Aufführungen ihrer Musik.
Ich weiß, besonders hier in Deutschland. Aber wenn ich davon höre, lasse ich sie verbieten.
Apropos verbieten. Wer bestimmt, was auf einen Soundtrack kommt und was nicht?
Ich. Ich produziere die Soundtracks. Also kann ich sie auch gestalten, wie ich will. Ich arbeite da mit einem wunderbaren Tontechniker und Toningenieur namens Jonathan Schultz zusammen. Wir gestalten gemeinsam unsere CDs.
"Herr der Ringe" ist ihr erfolgreichster Soundtrack. Wie oft wurde er verkauft?
Über sieben Millionen mal.

































