Diana Hardcastle

Portrait von Diana Hardcastle
Diana Hardcastle

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Bescheidener Spätzünder 18.03.2009

In der Untergrundkomödie "Rock'n Rolla" gibt Tom Wilkinson einen knurrigen Gangsterboss - eine Rolle, die der Brite wie gewohnt mit Bravour spielt.

Er war in "Hamlet" und anderen großen Bühnenrollen zu sehen. Doch erst, als Wilkinson für "Ganz oder gar nicht" die Hüllen fallen ließ, fühlte sich auch die Filmwelt richtig angezogen.
"Ganz oder gar nicht" im Jahr 1997 war die Wendemarke in der Karriere des Briten. Eine charmante Komödie mit sozialem Gewissen, in der er sich als Spießer vorstellte und als Stripper verabschiedete. 21 Jahre zurück lag damals sein Filmdebüt "Die Schattenlinie".
Mittlerweile hat sich Tom Wilkinson als Schauspieler so herausgeputzt, dass er zu den gefragtesten Darstellern gehört - besonders wenn es darum geht, einen "typischen Briten" zu besetzen: Graumeliertes Haar gepaart mit einem Schuss behäbiger Höflichkeit und einem feinen, machmal boshaftem Humor. Den zeigt er jetzt in Guy Ritchies Gangsterposse ""RocknRolla" an der Seite von Gerard Butler und Thandie Newton. Wilkinson spielt den verschlagenen Unterwelt-Don Lenny Cole, der auf die feine englische Art versucht, einen frisch verliehenen Batzen Geld gleich wieder zurückzugaunern.
Dass es mit seinem Durchbruch so lange dauerte, sieht Wilkinson heute gelassen: "Ich bin für die Schauspielerei gut geeignet, bin ziemlich fatalistisch eingestellt. Wenn etwas nicht passiert, passiert es eben nicht, viel daran ändern kann man nicht." Dieses Understatement passt zu vielen seiner Rollen - Figuren mit unterdrückten Emotionen, auf deren Explosion man wartet.
In Interviews wirkt Wilkinson ausgeglichen und freundlich, präsentiert sich gerne als Promi-Analphabet. So soll er Jackie Chan anfangs für die Regisseurin seines US-Debüts "Rush Hour" gehalten haben. Der Mann mit der sanft-sonoren Stimme strahlt Selbstbewusstsein aus, kennt aber auch seine Grenzen: "Herausforderungen sind eher nichts für mich", erklärte er einst.
"An meine tote Großmutter dachte ich jedenfalls nicht", witzelte er auf die Frage, wie er sich auf seine oscarnominierte Rolle, auf den Schmerz eines plötzlich kinderlosen Vaters im Drama "In the Bedroom" von 2000 eingestimmt hatte. "Es ist nicht meine Trauer, sondern die meiner Figur. Hätte ich mir dafür den Tod meiner eigenen Kinder vorgestellt, wäre ich verrückt geworden."
Richtig aus der Spur gerät Wilkinson nur auf der Leinwand, so als Staranwalt Arthur Edens in "Michael Clayton", den sein Gewissen zerfrisst. Mit der Rolle des manisch-depressiven Mannes, der unter seiner Schuld zerbricht, ging er 2008 erneut ins Oscarrennen.
Doch Wilkinson kann noch mehr: So gab er den väterlich-gutmütigen Typen als Gutsbesitzer in "Ride With The Devil", den betrogenen Ehemann in "Geliebte Lügen" oder den verliebten Verehrer von Helen Hunt in "Good Woman - ein Sommer in Amalfi". Aber er kann auch brutal sein, wie als Jude Laws Vater in "Oscar Wilde", als Mafiaboss in "Batman Begins" oder als Machtmensch, der "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" vergewaltigen wollte.
Überhaupt ist der Sexualtrieb einiger Rollen, die Wilkinson spielte, manchmal recht ausgeprägt: Als "Der Priester" schlief er mit seiner Haushälterin, als Arzt in "Vergiss mein nicht!" mit Praxishelferin Kirsten Dunst und als Familienvater in "The Governess" mit Erzieherin Minnie Driver. Dass sein größter Erfolg "In the Bedroom" heißt, ist freilich nur Zufall. Heute läuft es für Wilkinson mit Rollen wie in "Rock'n Rolla" oder davor in "Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat auch jenseits von Eden bestens.
Privat ist der Lyrikliebhaber und Absolvent der Royal Academy of Dramatic Arts seit 1988 mit seiner Kollegin Diana Hardcastle verheiratet und hat zwei Töchter Alice und Molly.
Die Orientierungslosigkeit, die er durch seinen unsteten Vater als Kind spürte, scheint vorbei. Papa Wilkinson war erst in der Landwirtschaft tätig, wanderte dann mit der Familie nach Kanada aus, wo er fünf Jahre als Schmelzer arbeitete um nach seiner Rückkehr bis zu seinem Tod ein Pub zu führen.
Wilkinson lernte lieber Golf und belegte so manchen Kurs, wenn die Angebote ausblieben. Der Mann, der schon "König Lear" war, nimmt die Dinge eben gern so, wie sie kommen und verzichtet auf übertriebene Ansprüche und Allüren: "Bis zu meinem 40. Lebensjahr hatte ich kein eigenes Haus. Ich bin zufrieden, wenn ich genug Geld für eine Flasche Wein und ein gutes italienisches Essen habe." Es sei ihm gegönnt.
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