Hans-Christian Schmid

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Hans-Christian Schmid

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Notizen aus der Provinz, aber keineswegs traurige Erinnerungen oder heimatvolle Chroniken, sondern lebensmuntere Beobachtungen aus dem Alltag der dortigen Menschen zwischen Freak und Spießer, kennzeichnen seine Spielfilme. 1965 im Marienwallfahrtsort Altötting geboren, besuchte Regisseur und Drehbuchautor Hans-Christian Schmid die Münchner Hochschule für Film und Fernsehen und absolvierte danach ein Drehbuchstudium in Los Angeles. Er begann mit Dokumentarfilmen über süchtige Automatenspieler, Kommerz ...

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Notizen aus der Provinz, aber keineswegs traurige Erinnerungen oder heimatvolle Chroniken, sondern lebensmuntere Beobachtungen aus dem Alltag der dortigen Menschen zwischen Freak und Spießer, kennzeichnen seine Spielfilme. 1965 im Marienwallfahrtsort Altötting geboren, besuchte Regisseur und Drehbuchautor Hans-Christian Schmid die Münchner Hochschule für Film und Fernsehen und absolvierte danach ein Drehbuchstudium in Los Angeles. Er begann mit Dokumentarfilmen über süchtige Automatenspieler, Kommerz und Glaube in seinem Heimatort und dem Fernsehspiel "Himmel und Hölle" (1994), in dem Katja Riemanns Tochter in einem kleinen Kaff in die Fänge einer fundamentalistischen Sekte unter Führung von Hannelore Hoger gerät. Schmids erster, fürs Fernsehen gedachter, aber durch den Erfolg auf den Filmtagen in Hof ins Kino gebrachter Spielfilm "Nach fünf im Urwald" (1996) machte Hauptdarstellerin Franka Potente, mit der Schmid bis 1998 zusammenlebte, bekannt und schildert, teils auf eigenen Erfahrungen des Paares basierend, die Geschichte einer in den Großstadtdschungel von München ausbüchsenden Teenie-Tochter eines Spießer-Paares. Schmids zweiter Film "23", der die authentische Story eines jungen Hackers zwischen Spionage und Mord aufarbeitet, erhielt 1998 beim Münchner Filmfest den Hypo-Regie-Förderpreis, Hauptdarsteller August Diehl wurde mit dem Bayerischen Filmpreis als bester Nachwuchsdarsteller und mit dem Deutschen Filmpreis als bester männlicher Darsteller ausgezeichnet. "23" erhielt in diesem Rahmen ein Filmband in Silber für die Produktion. Schmids "Crazy", die Verfilmung des autobiografischen Bestsellers von Benjamin Lebert, schildert das Internatsleben des 16-jährigen Benjamin (Robert Stadtlober) und setzt Schmids Geschichten über das Erwachsenwerden und die Zeit jugendlicher Verwirrungen um das erste Mal, Sex, Einsamkeit, Sehnsucht und Träume fort. "Crazy" war 2000 einer der erfolgreichsten deutschen Spielfilme.
2002 drehte Schmid "Lichter", einen melancholischen, an der deutsch-polnischen Grenze angesiedelten Episodenfilm, der zwei Tage im Leben verschiedenster Charakter dies- und jenseits der Oder beschreibt, die auf der Suche nach einem Platz im Leben sind. Der Film lief im Wettbewerb der Berlinale, in den Schmid 2006 mit "Requiem" zurückkehrte, einem in den Siebzigerjahren angesiedelten Drama um eine junge Frau, die sich von Dämonen heimgesucht fühlt. Die Hauptrolle spielt die herausragende Theaterschauspielerin Sandra Hüller, die hier ihr Leinwanddebüt gibt. "Requiem" wurde mit fünf Deutschen Filmpreisen ausgezeichnet, darunter auch mit dem Filmpreis in Silber für den besten Film. "Requiem" war der erste Film, den Schmid mit seiner Produktionsfirma 23/5 in Berlin realisierte. Als Produzent betreute Schmid auch Robert Thalheims Film "Am Ende kommen Touristen" über einen Zivildienstleistenden in der Gedenkstätte Auschwitz, der im Sommer 2006 gedreht wurde. Mit seinem nächsten Film, "Sturm", der seine Weltpremiere abermals im Wettbewerb der Berlinale feierte, setzte Schid seinen eingeschlagenen Weg konsequent fort, auch wenn er einen betont internationalen Fokus setzt. Gemeinsam mit "Requiem"-Autor Bernd Lange geschrieben, erzählt der Politthriller die Geschichte einer engagierten Anwältin, die eine Frau aus Kroatien betreut, die in Den Haag einen Kriegsverbrecher identifizieren soll. Beim Filmfest München 2009 wurde "Sturm" mit dem Bernhard-Wicki-Friedenspreis des deutschen Films prämiert. Zudem realisierte Schmid den Dokumentarfilm "Die wundersame Welt der Waschkraft".
Sensations-Bär für Peru und "Alle Anderen" 16.02.2009

Singen, Tanzen und Geschichten erzählen: Die Berlinale hat mit unerwarteten Siegern die emotionalste Preisverleihung seit Langem erlebt.

Das sprengte jeden Rahmen...
Der Goldene Bär bei der 59. Berlinale ging überraschend an das experimentelle peruanische Doku-Drama "La Teta Asustada" über eine Frau mit einer mysteriösen, mit der Muttermilch übertragenen Krankheit. Großer Gewinner war die Komödie "Gigante" über einen dicklichen Supermarkts-Wachmann, der eine Putzfrau anhimmelt. Der Film aus Argentinien, Uruguay und Deutschland wurde gleich dreifach gewürdigt, unter anderem mit dem Großen Preis der Jury, den er sich mit der zweifach ausgezeichneten Beziehungsdramödie "Alle Anderen" über Pärchenzank im Urlaub teilte.
Die emotionalsten Momente bei der von Katrin Bauerfeind moderierten Preisverleihung gehörten den Schauspielern. Der Gewinner des Silbernen Bären für seine Performance in Rachid Boucharebs "London River" hatte die längste Redezeit: Sotigui Kouyaté erzählte gewitzt drei Geschichten. Birgit Minichmayr, Bären-Gewinnerin für "Alle Anderen", zeigte sich ebenfalls sehr gerührt und die Hauptdarstellerin von "La Teta Asustada", Magaly Solier, bedankte sich gar singend und auf Ketschua. Jurypräsidentin Tilda Swinton kündigte die Jurypreis-Gewinner souverän auf deutsch an.
Den Silbernen Bären für die Regie erhielt der iranische Filmemacher Asghar Farhadi für sein Drama "Darbareye Elly", den Silbernen Bären für das beste Drehbuch "The Messengers", in dem Woody Harrelson Todesnachrichten im Irak gefallener US-Soldaten überbringt. Darsteller Ben Foster nahm den Preis für den abwesenden Regisseur und Drehbuchautor Oren Moverman entgegen. Als Bester Erstlingsfilm wurde "Gigante" geehrt.
Insgesamt wurde also - wie von der Jury zuvor angekündigt - insbesondere das politische Kino gewürdigt. Und wie in den letzten Jahren triumphierten Beiträge aus Lateinamerika. Aber auch das deutsche Kino kam nicht zu kurz: Unter den deutschen Preisträgern ist Hans-Christian Schmids "Sturm" über das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, der mit dem Preis der Gilde deutscher Filmkunsttheater, dem Amnesty International Filmpreis und dem Leserpreis der "Berliner Morgenpost" ausgezeichnet wurde.
Aller Klagen über einen schwachen Wettbewerb zum Trotz verzeichnete das Festival mit 270.000 verkauften Tickets einen Besucherrekord. Der gelang vor allem dank der neuen, großen Location, dem Friedrichstadtpalast.
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