Ulrich Tukur

Portrait von Ulrich Tukur
Ulrich Tukur

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65%
REALER NAME:
Ulrich Scheurlen

GEBURTSTAG:
29.07.1957 in Viernheim

LEBT IN:
Deutschland

Kurzinfo

Wenn Ulrich Tukur spielt, sind seine Rollen von zeitlos überzeitlicher Schauspielkunst, unangestrengt und von freiem Geist. Tukur muss nicht buhlen, ringen oder die Rampensau rauslassen, er - ist. Seine SS-Offiziere sind keine Teufel, seine Mörder keine schwitzenden Psychopathen, seine Terroristen keine Übeltäter, und die Personen der Zeitgeschichte, die er verkörpert, hat er nicht imitiert, sich nicht um äußerliche Ähnlichkeit bemüht, sondern ...

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GEBURTSDATUM: 29.07.1957 | GEBURTSORT: DEUTSCHLAND
Wenn Ulrich Tukur spielt, sind seine Rollen von zeitlos überzeitlicher Schauspielkunst, unangestrengt und von freiem Geist. Tukur muss nicht buhlen, ringen oder die Rampensau rauslassen, er - ist. Seine SS-Offiziere sind keine Teufel, seine Mörder keine schwitzenden Psychopathen, seine Terroristen keine Übeltäter, und die Personen der Zeitgeschichte, die er verkörpert, hat er nicht imitiert, sich nicht um äußerliche Ähnlichkeit bemüht, sondern ihnen unbekannte Facetten geliehen. Er ist kein Verinnerlichungsmime oder Beifallsucher. Tukur ist die Leichtigkeit des Seins, humorvoll, glänzend, generös und mit offenem Blick, ein Gewinn in jeder Rolle, spannend, aufregend, zerrissen und abgründig, aber lachend am Abgrund.
Ulrich Tukur brachte 1986 einen neuen Ton in den deutschen Film. Sein RAF-Terrorist Andreas Baader in Reinhard Hauffs "Stammheim" ist kein ideologisch blinder Dämon, sondern einer, der mit dem Staat spielt, ihn herausfordert und vorführt. Das hat vier Regisseurinnen zu dem Fehlschluss verleitet, sie könnten ihn im Episodenfilm "Felix" (1987) als feministisches Experimentierfeld vorführen, doch Tukur ließ sich nicht vereinnahmen. Da spielte er lieber in Hans-Christoph Blumenbergs Doku-Essay "In meinem Herzen, Schatz" (1989) den blonden Hans Albers und brachte den Volkssschauspieler wieder in Erinnerung. Oder in Peter Kegelvic's "Das Milliardenspiel" (TV) den ersten einer Reihe von Karrieristen, deren bester sein so jovialer wie gefährlicher Stasi-Offizier Anton Grubitz in Florian Henckel von Donnersmarcks "Das Leben der anderen" (2006) ist, der blitzschnell vom politischen Witz zur Drohung wechselt.
Seit Tukur den jungen Herbert Wehner in Heinrich Breloers Doku-Drama "Wehner" spielte, hat er Personen der Zeitgeschichte nicht didaktisch, sondern spielerisch angelegt, ihnen das Bedeutende genommen, sie vermenschlicht, General Lucius D. Clay ("Die Luftbrücke"), Helmut Schmidt ("Die Nacht der großen Flut") den Schauspieler Conrad Veidt in "Beim nächsten Schuss knall ich ihn nieder" (1996).
Tukur wurde 1957 in Viernheim, Hessen, geboren, bestand sein Abitur in Hannover und schloss in Boston an der Highschool ab. Dem Studium der Germanistik, Anglistik und Geschichte in Tübingen folgten Jobs als Knödeltenor und Akkordeonspieler, Schauspielausbildung in Stuttgart, Bühnendebüt 1982 und Spielfilmdebüt in Michael Verhoevens "Die Weiße Rose" (1983, als Willi Graf). Tukur blieb seiner Wahlheimat Hamburg und dem Hamburger Schauspielhaus verbunden und führte als Intendant die Hamburger Kammerspiele aus der finanziellen Krise.
Dieter Wedel holte ihn 2006 für seinen Fernsehfilm "Mein alter Freund Fritz" zusammen mit Veronica Ferres ans Set. Der Zuschauer erlebt in grotesken Szenen die Wandlung vom Saulus zum Gutmenschen. Spannend wurde es in "Ein fliehendes Pferd", nachdem er als Aussteiger Klaus zufällig seinen ehemaligen Schulfreund (Ulrich Noethen) trifft, der sich als Kleinbürger entpuppt. Als charmanter nazitreuer Reporter Arau soll er in "Nordwand" über die Erstbesteigung des berüchtigten Eiger berichten. Das Drama von Philipp Stölzl erfuhr im August 2008 auf dem Filmfestival in Locarno seine Weltpremiere. Tukur gelang im selben Jahr die beeindruckende Darstellung des Frauenmörders im Doku-Drama "Der Mann, dem die Frauen vertrauten - Der Serienmörder Horst David".
Mit "John Rabe" von Oscar-Preisträger Florian Gallenberger und aktuell Michael Hanekes "Das weiße Band" feierte Tukur weltweit Festivalerfolge. Zuvor wurde er u.a. als Schauspieler des Jahres 1986 ausgezeichnet und mit dem Adolf-Grimme-Preis, der Goldenen Kamera und dem Grace Prize in Los Angeles ausgezeichnet.
Seit 1995 tritt Ulrich Tukur als Sänger, Pianist und Akkordeonspieler mit den Rhythmus Boys auf, trägt Lieder der 30er- bis 50er-Jahre vor, ohne sie im Arrangement zu modernisieren, und hat fünf Alben aufgenommen. Er lebt mit seiner Frau Katharina John seit 2003 in Venedig, um ein wenig Distanz zu Deutschland zu bekommen.
GEBURTSDATUM: 29.07.1957 | GEBURTSORT: DEUTSCHLAND
Lebenshunger 01.04.2009

"Das Leben der Anderen" hat sich Ulrich Tukur darstellerisch zu Eigen gemacht - auch als stiller Held in seinem neuen Film "John Rabe".

"Ich war in keinem Feld eine wirkliche Hochbegabung, das mit dem Erfolg war eher zufällig", beschreibt das Multitalent sich und seine Entdeckung mit 25 Jahren.
Noch während seiner Schauspielausbildung besetzte ihn Michael Verhoeven in "Die weiße Rose" - vor allem, so Tukur, wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Widerstandskämpfer Willi Graf. Da hatte Ulrich ein abgebrochenes Studium bereits hinter und eine Zeit des Zweifelns noch vor sich.
Trotz Schauspielschule gab das älteste von vier Kindern eines Diplomingenieurs und einer Landwirtschaftslehrerin der Straßenmusik den Vorzug. Denn er "war ein totaler Klemmi", der das Theater scheute, dem es "peinlich war, alles von sich zeigen zu müssen." Regisseur Peter Zadek brach diese Blockade, holte den Hessen als SS-Offizier ins Ensemble von "Ghetto" und damit zur Bühne. Hier fand der "Schauspieler des Jahres 1986" seine kreative Insel, zwischen 1995 und 2003 auch hinter den Kulissen, als Co-Intendant der Hamburger Kammerspiele.
Das Kino ließ den Charakterstar, der Charme und Monströsität oft in einer Figur vereinte, verhungern, obwohl er in "Stammheim" als Provokateur Andreas Baader charismatisch war. Fernsehen aber forderte ihn - als junger Herbert Wehner, als Helmut Schmidt, ein weiterer SPD-Saurier, als Kindermörder, Frauenwürger und als Mann, der Moral über Macht stellte (Henning von Tresckow in "Stauffenberg").
Eine solche authentische Persönlichkeit brachte ihm auch seinen internationalen Durchbruch als "Der Stellvertreter" - als SS-Offizier mit Gewissen. Gegenspieler war Ulrich Mühe, mit dem Tukur in "Das Leben der Anderen" die Rollen tauschte, er nun der linientreue Karrierist war, während Mühe Humanität entdeckte. Die Wege der Ullis kreuzten sich mehrfach, am Ende auch tragisch bei "John Rabe", als Tukur den todkranken Kollegen ersetzte, in der Rolle eines deutschen Geschäftsmanns, der 1937 bei der Invasions Chinas durch Japan über 200.000 Menschen das Leben rettete.
Männer mit Charakter sind eher untypisch für Tukur, der oft als jovialer Macho und halbseidener Casanova brillierte. Auch in "Ein fliehendes Pferd" mit junger Blondinentrophäe und peinlichem Plappermaul ("Helmut hatte damals Probleme mit der Vorhaut"). Den Frauen hat Tukur auch privat nachgestellt. Zwei Töchter hat er mit der Amerikanerin Amber Wood. Sie wuchsen nach der Scheidung in Boston auf, wo Tukur Jahre zuvor einen High-School-Abschluss gemacht hatte.
Noch verheiratet lud er 1991 eine erst 19-jährige Bühnenbild-Assistentin zum Essen ein. Das desaströse Date mit Katharina John ("Ein Frauenheld war das letzte, was ich wollte") mündete in eine Beziehung mit Trennung und Happy End. Seit 2003 ist Tukur, der Hans Albers spielte und auch beerbte, mit der Fotografin verheiratet.
Geht der Sänger, Pianist und Akkordeonspieler nicht mit seiner 1995 gegründeten Tanzkapelle "Ulrich Tukur und die Rhythmus Boys" auf Tour oder ins Studio, lebt er mit seiner Frau auf der venezianischen Insel La Giudecca - mit Elton John als direktem Nachbar. Dort schrieb er seinen Erzählband "Die Seerose im Speisesaal", drehte für Steven Soderbergh ein verrücktes Casting-Video, in dem er eine Szene aus "Solaris" sang und dennoch die Rolle als Captain der Raumstation bekam.
Venedig ist für ihn Gehirnwäsche, Abstand zum Beruf, zu Deutschland, aber auch Hingabe an den Verfall, der zum Leben gehört. Und darauf ist Tukur unverändert hungrig: "Das Leben muss man feiern, muss eine Form dafür finden. Sonst wäre Venedig nur ein Haufen toter Steine, ein leeres Bühnenbild. Das will bespielt werden, wie das ganze Leben."
GEBURTSDATUM: 29.07.1957 | GEBURTSORT: DEUTSCHLAND
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GEBURTSDATUM: 29.07.1957 | GEBURTSORT: DEUTSCHLAND

Familie

Ehefrauen:
Katharina John (seit 2003)
Amber Wood (? - ?)
Kinder: Töchter Lilli und Marlene

Autogrammadresse

c/o Erna Baumbauer Management
Keplerstr. 2
81679 München

 
 
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